'Jesus, I'm not going to be one of those people who sits around talking about what they're gonna do. I'm just going to do it.' - John Green

Montag, 7. Oktober 2013

Ramallah

Schon wieder ist ein Wochenende, welches ich nicht zu Hause verbracht habe, vorüber und natürlich möchte ich euch davon erzählen. Denn dieses Wochenende haben wir in Ramallah, eine Stadt in der Westbank, verbracht und das Oktoberfest besucht. Ja, ihr habt richtig gelesen - das Oktoberfest. Aber immer mit der Ruhe, ich beginne natürlich am Anfang der Reise.
Mal wieder machten wir uns zu viert - also Denise und ich inklusive Jule und Judith - auf den Weg. Freitag vormittag trafen wir uns in Jerusalem, um gemeinsam vom Damaskus Gate den Bus nach Ramallah nehmen zu können. Ramallah ist einer der moderneren und größeren Städte der Westbank, wo sich auch die autonomie Behörde Palästinas befindet. Die Stadt ist also größten Teils arabisch, aber auch christlich.
Nach ein paar minimalen Orientierungsschwierigkeiten fanden wir das Hostel, wo wir die Nacht verbringen sollten. Es war super schnucklig, total schön hergerichtet und sehr familiär. Das 'Hostel in Ramallah' existiert erst seit zwei Monaten und besteht eigentlich bloß aus einer großen Wohnung, in der drei 8 Bett-Zimmer zur verfügung stehen, ein gemütliches Wohnzimmer und eine Gemeinschaftsküche. Wir haben uns sofort wohl gefühlt und können es nur empfehlen! (www.HOSTELINRAMALLAH.com)
Nachmittags erkundeten wir dann die Innenstadt von Ramallah, die leider nicht so lebhaft war, da der Freitag für die Araber der heilige Tag ist und somit sehr viel geschlossen war. Trotzdem bekamen wir noch was zu essen und auch das bekannte palästinensische Eis - es ist zäher als 'normales' Eis, so, als würde man Kaugummi essen wollen - wurde natürlich auch probiert. Auf dem Gemüsemarkt kamen wir uns fast vor wie im Paradies, nachdem wir nur die Preise auf israelischer Seite gewohnt waren und staubten somit Gemüse für das Abendessen für unter einem Euro ab. Danach ging es noch in die Altstadt von Ramallah, wo wir zufälligerweise eine sehr nette Stadtrundführung von einem jungen Mann, der im Hostel arbeitet, bekamen. Er zeigte uns eine alte traditionelle Bäckerei, ein palästinenisches Museum und das erste Haus in Ramallah, dessen damaliger Besitzer leben in die Stadt brachte. Den Abend verbrachten wir im Hostel zusammen mit einigen anderen Bewohnern, die zb aus Singapur und Chicago stammen. Sie waren unglaublich nett und wir hatten sehr interessante Gespräche. Wir haben uns außerdem den Film '5 broken cameras' angeschaut, der den Israel-Palästina-Konflikt thematisiert. Sehenswert.

Karl Knoblauch war endlich auch mit dabei
ein Urgestein - das erste Haus in Ramallah

'Drop your memory here'

Graffiti in Ramallah
Am Samstag verliessen wir dann das Hostel nach einem gemütlichem Frühstück und einer Verewigung auf der Eingangstür und machten uns nochmal auf den Weg in die Innenstadt. Diese war nun ein wenig belebter und der Markt, wo wir uns mit Obst für die nächsten Tage eindeckten, war unglaublich überfüllt. Stellt euch so einen richtig engen, vollen, bunten Markt vor, auf dem dich jeder Händler für sich gewinnen will. Wir drehten dann aber dem Markt mit vollen Tüten den Rücken zu und machten uns bereit für das Oktoberfest im Mövenpick Hotel.
In Taybeh, ein Ort in der Nähe von Ramallah, wird seit 1995 Bier gebraut. Seit einigen Jahren wird nun für zwei Tage das Oktoberfest veranstaltet, mit einem ausgewogenem Programm und der Möglichkeit lokale Produkte zu verkaufen. Natürlich geht es auch um das gute (trotzdem teure) Taybeh Bier. Normalerweise fand das Oktoberfest immer im Ort selber statt, damit man auch die Gelegenheit hatte die Brauerei zu erkunden, aber diesmal wurde es in das Mövenpick Hotel verlegt. Das war ein bisschen Schade, weil somit das Flair des Oktoberfestes nicht ganz zur Geltung gekommen ist - man könnte sagen, die Location war ein wenig zu 'versnobbt', um ihren Sinn - lokale Produkte zu vermarkten - zu erfüllen. Dennoch hatten wir eine Menge Spaß! Eine bayrische (ja tatsächlich eingeflogen!) Blaskapelle war anwesend, ein super lustiger Comedian, eine Clownshow (die leider nur ich lustig fand, aber immerhin) und einige weitere Bands. Es waren auch zahlreiche Deutsche anwesend und viele Kinder liefen in Trachten herum. Wie haben uns mit einigen unterhalten und fühlten uns für ein paar Stunden fast schon heimisch. Nur gab es statt Weißwurst und Sauerkraut auch hier Falafel und Shawarma (ähnlich wie ein Döner). Aber seht selbst:


die bayrische Blaskapelle
die deutsche Runde
Shawarma ist fast so gut wie Sauerkraut ;-)
die Clownshow
Vorführung traditioneller palästinensischer Tänze

Karl wird geliebt - I

Karl wird geliebt - II

und von uns wird Karl natürlich auch geliebt!


Das Wochenende hat mir mal wieder viel Spaß gemacht und ich habe eine Menge gesehen. Mit jedem weiterem Besuch in der Westbank, bekomme ich die Gelegenheit mich mehr und mehr mit dem Konflikt auseinander zu setzen. Ist man einmal vor Ort, so hat man kaum noch die Möglichkeit sich NICHT mit der Geschichte des Landes zu beschäftigen. Es ist sowohl interessant und spannend und jedes Gespräch bringt weiteren Stoff zum Nachdenken. Es bleibt dennoch schwierig und ich möchte mich nicht auf eine Seite - die israelische oder palästinenische Seite - schlagen. Auch jetzt ist es nicht an der Zeit, um über den Konflikt zu sprechen. Das würde mich wahrscheinlich auch noch Stunden hier beschäftigen. Dazu wird es wohl an einer anderen Stelle kommen.
Bis Bald! :-)

Dienstag, 1. Oktober 2013

Die Post ist daaaaa!

Paket von zu Hause mit Karl Knoblauch an Board!


Heute habe ich meine ersten Pakete bekommen! Ich hab mich riesig gefreut! Danke Mami für die vielen Süßigkeiten uuuuuuuuuuund Karl Knoblauch, unser Israel-eKiR-Maskottchen, ist ab sofort endlich auch mit dabei. Er sitzt nun schon neben mir und geniesst das Wetter hier.
UND ein ultradickes Dankeschön an Meike, von der ich total unerwartet auch ein Paket mit ganz viel Haribo bekommen habe. Die Überraschung ist dir wirklich gelungen! :-)

Sooo gut hat Schokolade glaube ich noch nie geschmeckt. Jetzt sind wir erstmal versorgt bis zu den nächsten Paketen. Aber natürlich sind auch Briefe oder Postkarten willkommen, damit ich meine Wand noch weiter schmücken kann. Mein erster Brief von meiner Schwester Kimberly war heute auch schon im Kasten - der Postbote meinte es heute wirklich gut mit mir. Ich habe mich tierisch gefreut. Es ist so schön, dass ihr an mich denkt und mir mit solchen Kleinigkeiten den Tag verschönert! Ich warte nun noch auf das Paket von meinen Großeltern und dann bin ich wunschlos glücklich! (obwohl so ein ordentliches Schnitzel... Spaß ;-))



Sonntag, 29. September 2013

Angekommen!

Kaum zu glauben, aber ich bin wirklich schon einen ganzen Monat hier. Ich muss gestehen, dass die Zeit für mich total verfliegt. Vieles ist noch so neu und unbekannt - die Sprache, die Menschen, das Essen - so viele Eindrücke, die man erstmal verarbeiten muss.
Widerrum schleicht sich so langsam das 'Angekommen'-Gefühl bei mir ein. Mir wird so langsam aber sicher bewusst, dass dies kein langer schöner Sommerurlaub ist, sondern Alltag für ein ganzes Jahr. Letztes Wochenende habe ich zum ersten Mal zu Denise gesagt, dass ich mich freue nach Hause zu kommen. Mein Bett ist jetzt schon mein Lieblingsplatz in der Wohnung, mein kleiner Nachttisch ist schon lange nicht mehr so ordentlich, wie er am Anfang mal war und das Leben zusammen mit Denise in einem Zimmer klappt so gut, dass ich kaum glauben kann, dass wir uns erst durch ein paar wenige Seminare und diesen Monat hier in Israel kennen. Ein paar längst versprochene Bilder bin ich euch noch schuldig:

Unser Wohnzimmer - I

Wohnzimmer - II
Wohnzimmer - III








Unsere kleine, aber feine Küche. 




Unser Zimmer - meine Seite
Meine Fotowand mit meinen Liebsten :)


Mittlerweile komme ich auch recht gut im Alltag zurecht. Die hebräischen Buchstaben sind nicht mehr vollkommene Hieroglyphen und der anfängliche Schock über die Preise im Supermarkt legt sich so langsam. Man weiß worauf man verzichten muss und was man sich dann doch leisten kann. Dabei lerne ich wirklich zu schätzen, was ich in Wuppertal täglich ohne zu überlegen haben konnte, wie zB. Milch-  oder Fleischprodukte. Aus religiösen Gründen (koscheres Essen) sind diese Produkte nämlich besonders teuer.
Die Arbeit im Kfar wird immer mehr Routine und gelingt mir immer besser. Man fühlt sich schon richtig zum Team zugehörig und übernimmt gleichwertige Aufgaben. So langsam lerne ich die Friends auch so gut kennen, dass ich weiß wie ich in manchen Situationen zu reagieren habe, mir die richtigen Worte oder Handbewegungen einfallen und was für mich sehr wichtig ist - ich werde von den Friends akzeptiert und ernst genommen. So macht mir die Arbeit wirklich Spaß und ich kann mich immer mehr einbringen! Heute habe ich zum Beispiel in meiner Gruppe mit Linolplatten gedruckt und Frau Scheiffers, meiner alten Kunstlehrerin sei Dank - man braucht anscheinend doch viele Dinge aus der Schulzeit, die man zu der Zeit für unnötig gehalten hat.
Ich fühle mich wohl hier. Ich glaube den Israeliten zwar noch nicht so ganz, dass jetzt der Herbst kommt und laufe weiterhin mit kurzen Hosen und Tops rum, auch wenn morgens nur noch 25 Grad sind und uns die Leute mit diesem typischen 'immer-diese-blonden-Europäer'-Blick anschauen. Dafür schwitze ich nach der Arbeit, wenn die 30 - Pardon, es ist ja Herbst - 29 Grad sich bemerkbar machen nur halb so wenig ;-) Ich freue mich auf die weitere Zeit hier und auf alles, was mich noch erwarten wird! Keine Sorge, ich halte euch auch schön auf dem Laufenden.

Eure Laura!

P.S In 37 Tagen bekomme ich schon meinen ersten Besuch! Ich kann es kaum erwarten und freue mich schon tierisch :*


Dienstag, 24. September 2013

Holy City - Jerusalem

NEIN, der Blog ist noch nicht tot. Keine Sorge. Ich musste mich nur erstmal ein wenig von meinem langen Wochenende erholen. Es stand mal wieder ein langes Wochenende vor der Tür und wir verbrachten Sukkot (Laubhüttenfest - Erklärung in einem anderen Beitrag) in Jerusalem. Zwei Tage verbrachten wir zusammen mit Eman, einer Freundin von Denise, die in Jerusalem wohnt. Die beiden letzten Tage widerrum verbrachten wir mit Judith und Jule aus Rishon. Diese vier Tage waren gefüllt mit unendlich vielen Eindrücken. Würde ich sie alle hier aufschreiben, säße ich morgen noch hier ;-) Also gibt es ein paar kleine Zusammenfassungen zu den einzelnen Tagen - viel Spaß! :

Dienstag - Abends sind wir endlich in Jerusalem angekommen und wurden von Eman direkt zu ihrer Tante mitgenommen, wo gerade Hochzeitsvorbereitungen liefen. Eine Hochzeit für 1300 Personen (!) sollte in den nächsten Tagen stattfinden und wir halfen dabei Süßigkeiten in Tüten zu verpacken. Dabei durften wir hautnah das arabische Zusammenleben mit viel Musik und Essen (viel zu guten Essen) geniessen.

Mittwoch - Zusammen mit Eman und Yara erkundeten wir einen Teil von Jerusalem - Das Damaskustor, arabisches Viertel mit einem wahnsinnig lebhaften Markt und die Grabeskirche. Hier soll Jesus gekreuzigt, gesalbt und begraben worden sein. Ich muss aber leider sagen, dass mich der Tourismus hier sehr gestört hat. Es war tierisch laut, viel zu voll und rücksichtlos meiner Meinung nach. Irgendwie kam es mir nicht ganz angemessen vor. Dennoch war es sehr erstaunlich diese heiligen Stätten zu sehen. Mittags gab es Hummus, Falafel und Pita bei 'Abu Shukri' - eindeutig super lecker und super preiswert. Bevor es zurück zu Eman und ihrer Familie ging, besuchten wir noch das österreichische Hospiz, wovon man aus einen wunderbaren Ausblick über die Altstadt hat.

Jerusalem

Denise und ich auf dem Turm der Erlöserkirche

Denise, Eman, Yara und ich mit dem Felsendom


Jesus Leidensweg
Donnerstag - Nach einem ausgiebigen arabischen Frühstück ging es nach Bethlehem. Zuerst gab es aber einen Stopp am Checkpoint 300 - ein Übergang vom isralischen Gebiet zur Westbank. Dort verläuft die Mauer, die das Land teilt und man konnte hier Kunstwerke besichtigen, die zum Frieden aufrufen. Die 8 Meter hohe Mauer hat mich ziemlich ergriffen und sehr an die berliner Mauer erinnert, die einst Deutschland geteilt hat. Wir haben uns noch einige Zeit dort aufgehalten, bis wir nach Bethlehem weiterfuhren. In der Geburtskirche Jesus war es mindestens genau so voll wie in Jerusalem und kein bisschen weniger touristisch. Mit der allen bekannten Weihnachtsgeschichte hat die riesige Kirche und die aufwendige Gestaltung  leider wenig gemeinsam und ich habe mir den Besuch dieses Ortes anders vorgestellt. Interessant waren aber die unzähligen beleuchteten Sterne in der Stadt (Stern über Bethlehem), die mich richtig an Weihnachten erinnerten. Kurzer Abstecher zum Sheppersfield, wo der Engel den Hirten begegnet sein soll und ihnen den Weg zur Krippe zeigte. Danach haben wir in einem arabischen Restaurant unglaublich gutes Essen bekommen - fast so gut wie die wunderbare Aussicht, die man von dort genossen hat. Und schon ging es wieder nach Jerusalem, wo wir Judith und Jule trafen.


Kunstwerk von Banksy

Shepper Field


...und das war erst die Vorspeise!

Freitag - Die vier eKiR Mädels hatten die Nacht auf dem Dach des Citadel Youth Hostels sehr genossen und so machten wir den Basar am Jaffa Gate unsicher - es ist wirklich wie in tausend und einer Nacht und ein Genuss für alle Sinne - laut, voll, bunt, überall riecht es nach Gewürzen und der WOW-Effekt liess nicht auf sich warten. Dann machten wir uns auf den Weg zum Ölberg und genossen dort den Blick über Jerusalem. Der Besuch des Garten Getsemani war mein Highlight - vielleicht mag es ein ungewöhnliches Highlight sein, aber im Garten Getsemani, wo Jesus verraten und verhaften worden sein soll, stehen 8 Olivenbäume, die tatsächlich zweitausend Jahre alt sein sollen. Das fand ich wahnsinnig beeindruckend, denn diese Olivenbäume sind wohl die einzigen Zeugen, die uns wirklich erzählen könnten, was vor zweitausend Jahren in Jerusalem passiert ist. Das hat mich intensiver gepackt, als jeglicher Tourismus in der Innenstadt. Am Abend stand wieder der Shabbat vor der Tür und wir betrachteten das Treiben an der Klagemauer - eine unglaubliche Anzahl an orthodoxen Juden strömten dorthin um zu beten und den Shabbat und Sukkot zu ehren. Das war ganz schön interessant!

beudeutsamer jüdischer Friedhof unterhalb des Ölbergs
Die Altstadt mit ihrer Mauer vom Ölberg aus



Garten Getsemani
 

Klagemauer am Abend

Unzählige orthodoxe Juden an der Klagemauer
Samstag - ein kleiner Besuch am Berg Zion, wo das Grab des König Davids liegt, und der Rest des Tages wird mit warten und essen verbracht, damit wir abends die Busse zurück nach Hause nehmen können. Ein heftiger Platzregen verabschiedete uns dann aus Jerusalem, aber wieder in Tel Aviv angekommen, war davon nichts mehr zu spüren - im Gegenteil. HITZE! Nach dem Wochenende waren wir aber froh wieder zu Hause zu sein, denn die Blasen an unseren Füßen liessen uns die Kilometer eindeutig spüren.
Fazit: Jerusalem war spannend, ungewohnt, anders als gedacht, aufregend, voll, lustig und es gab ein ganzes Paket voll Stoff zum Nachdenken für mich :-)

Bis Bald, Laura 





Sonntag, 15. September 2013

Yom Kippur

Shalom!
Gerade ergibt sich die Gelegenheit euch von meinem gestrigen Tag zu berichten. Dann packe ich diese doch direkt beim Schopf!
Gestern war in Israel Yom Kippur (Versöhnungstag), der wichtigste Feiertag in Land. An diesem Tag, der freitags nach Sonnenuntergang beginnt und samstags bei Sonnenuntergang zu Ende geht, wird gefastet. Streng religiöse Menschen verbringen den Tag mit beten und ruhen, um sich von den im ganzen Jahr begangenen Sünden zu befreien. Sowohl das Radio - als auch Fernsehprogramm wird für diesen Tag abgestellt und alle Grenzübergänge sind geschlossen. Außerdem ist es strikt verboten Auto zu fahren, weswegen die Straßen wirklich absolut ausgestorben sind. Viele Familien nutzen diesen Tag, um mit Inlinern oder Fahrrädern die Straßen zu befahren.
Denise, Ursula (unsere neue Mitbewohnerin) und ich wollten diesen Feiertag miterleben und somit packten wir samstags in der Frühe unsere Taschen und machten uns auf den Weg nach Tel Aviv - zu Fuß. Nach drei Stunden, einigen Pausen im Park, literweise Wasser und viel Spaß auf den Straßen haben wir dann auch unser Ziel erreicht. Es ist ein wirklich komisches Gefühl auf einer normalerweise überfüllten Schnellstraße zu laufen und diese nur mit Fahrradfahrern zu teilen. Diese Ruhe kann ich euch gar nicht in Worte fassen - viel viel stiller als sonntags früh in Wuppertal-Barmen. Da ist uns das Machtgefühl über diese Straßen laufen zu können fast schon zu Kopf gestiegen ;-)
Denise und ich auf der leeren Straße - der Beweis!

ausgestorbener Highway

zu dritt auf der Straße!
In Tel Aviv gönnten wir uns dann einige Stunden am Strand. Das hatten wir uns schliesslich verdient und außerdem war sowieso nicht viel anderes möglich, denn alle Geschäfte waren geschlossen. Irgendwann trieb uns aber der Hunger in die Innenstadt und wir versuchten uns irgendwo etwas essbares kaufen zu können. Proviant war nämlich schon aufgebraucht und es sah wirklich danach aus, als ob wir uns unfreiwillig den Fastenden anschliessen müssten. Aber in der Altstadt von Jaffa (und das ist nochmal ein Stück von Tel Aviv Downtown entfernt) fanden wir aber dann die Rettung - eine offene und selbstverständlich überfüllte Falafelbude!
Danach genossen wir den Sonnenuntergang in Jaffa am Strand. Jedes mal aufs neue finde ich den Sonnenuntergang hier so wunderschön. Die Stadt wird einfach in einen unglaublichen Farbtopf getaucht. Sehr sehenswert! Sonnenuntergang bedeutete auch das Ende von Yom Kippur und somit dauerte es NUR eine Stunde, bis unser Bus endlich kam und uns nach Hause brachte. Selten war ich so froh meine Füße für den Rest des Tages nicht mehr bewegen zu müssen.

ein Teil der Skyline von Tel Aviv



Jaffa
ich hab noch ein bisschen Liebe nach Deutschland verschickt ;) :*
Eine Begegnung an diesem Tag werden wir so schnell nicht vergessen und sicher noch einige Male drüber lachen. Als wir in Jaffa unsere Falafel nahe zu anbeteten, kam ein Mann in den Laden und meinte uns direkt als Dänen zu erkennen. Aber nein, wir sind Deutsche versicherten wir ihm dann. Darauf hin sagte er "If you can guess how old I am, I'm gonna give you one million dollar. It's not easy!' Den Spaß liessen wir uns natürlich nicht entgehen, aber leider verfehlten wir sein Alter (er war 70 und sah wirklich nicht so aus) und bekamen statt die Millionen einen Trostpreis - jeder einen Kugelschreiber. Danach habe ich die wohl absurdeste, lustigste und wahrlich best erfundenste Lebensgeschichte gehört: er war sich sicher, dass er Präsident von Israel wird bei der nächsten Wahl, eigentlich ist er aber Schauspieler und auch nächste Woche im Fernseh. Lieber wäre er aber Drehbuchautor, denn er kann acht verschiedene Sprachen. Früher war er aber beim Geheimdienst und ist DAZU noch ausgebildeter Professor im psychologischen und physischen Bereich. Um das zu beweisen, sollte ich doch einen Satz aufschreiben ('we are from Germany and we like Israel pretty much' - auf die schnelle ist mir nichts besseres eingefallen) und unterschreiben. Jetzt könnte er mir ganz genau sagen was für ein Mensch ich bin und wie meine Zukunft aussehen wird: "Ooooh you gonna be a very very powerful person in the german government and you become the president. Everything that you make is perfect - your hair, your body, your clothes, your make up" (Kleine Notiz am Rande: Ich kam gerade aus dem Meer und laufe seit meiner Ankunft ungeschminkt rum). Ich konnte mich vor lachen nicht mehr halten und war den Tränen sehr nahe. Langsam aber sicher verabschiedeten wir drei uns dann und bedankten uns für dieses unterhaltsame Gespräch. Nachdem er uns versicherte, dass er so Deutsche wie uns mag und wir ja gar nicht so sind wie die Deutschen damals, zogen wir weiter und bekamen uns kaum noch ein. Verrückte Leute gibt es hier auf jeden Fall an jeder Ecke genügend. Das kann ich euch mit Sicherheit sagen!

Das war mein Yom Kippur! :-)
Bis gaaaaanz Bald, Laura.

P.S nach drei Stunden beim Amt sitzen habe ich nun mein Visum!!!!! :-) Nun steht meinem Jahresaufenthalt wirklich nichts mehr im Wege und dafür bin ich sehr dankbar.