'Jesus, I'm not going to be one of those people who sits around talking about what they're gonna do. I'm just going to do it.' - John Green

Sonntag, 15. September 2013

Yom Kippur

Shalom!
Gerade ergibt sich die Gelegenheit euch von meinem gestrigen Tag zu berichten. Dann packe ich diese doch direkt beim Schopf!
Gestern war in Israel Yom Kippur (Versöhnungstag), der wichtigste Feiertag in Land. An diesem Tag, der freitags nach Sonnenuntergang beginnt und samstags bei Sonnenuntergang zu Ende geht, wird gefastet. Streng religiöse Menschen verbringen den Tag mit beten und ruhen, um sich von den im ganzen Jahr begangenen Sünden zu befreien. Sowohl das Radio - als auch Fernsehprogramm wird für diesen Tag abgestellt und alle Grenzübergänge sind geschlossen. Außerdem ist es strikt verboten Auto zu fahren, weswegen die Straßen wirklich absolut ausgestorben sind. Viele Familien nutzen diesen Tag, um mit Inlinern oder Fahrrädern die Straßen zu befahren.
Denise, Ursula (unsere neue Mitbewohnerin) und ich wollten diesen Feiertag miterleben und somit packten wir samstags in der Frühe unsere Taschen und machten uns auf den Weg nach Tel Aviv - zu Fuß. Nach drei Stunden, einigen Pausen im Park, literweise Wasser und viel Spaß auf den Straßen haben wir dann auch unser Ziel erreicht. Es ist ein wirklich komisches Gefühl auf einer normalerweise überfüllten Schnellstraße zu laufen und diese nur mit Fahrradfahrern zu teilen. Diese Ruhe kann ich euch gar nicht in Worte fassen - viel viel stiller als sonntags früh in Wuppertal-Barmen. Da ist uns das Machtgefühl über diese Straßen laufen zu können fast schon zu Kopf gestiegen ;-)
Denise und ich auf der leeren Straße - der Beweis!

ausgestorbener Highway

zu dritt auf der Straße!
In Tel Aviv gönnten wir uns dann einige Stunden am Strand. Das hatten wir uns schliesslich verdient und außerdem war sowieso nicht viel anderes möglich, denn alle Geschäfte waren geschlossen. Irgendwann trieb uns aber der Hunger in die Innenstadt und wir versuchten uns irgendwo etwas essbares kaufen zu können. Proviant war nämlich schon aufgebraucht und es sah wirklich danach aus, als ob wir uns unfreiwillig den Fastenden anschliessen müssten. Aber in der Altstadt von Jaffa (und das ist nochmal ein Stück von Tel Aviv Downtown entfernt) fanden wir aber dann die Rettung - eine offene und selbstverständlich überfüllte Falafelbude!
Danach genossen wir den Sonnenuntergang in Jaffa am Strand. Jedes mal aufs neue finde ich den Sonnenuntergang hier so wunderschön. Die Stadt wird einfach in einen unglaublichen Farbtopf getaucht. Sehr sehenswert! Sonnenuntergang bedeutete auch das Ende von Yom Kippur und somit dauerte es NUR eine Stunde, bis unser Bus endlich kam und uns nach Hause brachte. Selten war ich so froh meine Füße für den Rest des Tages nicht mehr bewegen zu müssen.

ein Teil der Skyline von Tel Aviv



Jaffa
ich hab noch ein bisschen Liebe nach Deutschland verschickt ;) :*
Eine Begegnung an diesem Tag werden wir so schnell nicht vergessen und sicher noch einige Male drüber lachen. Als wir in Jaffa unsere Falafel nahe zu anbeteten, kam ein Mann in den Laden und meinte uns direkt als Dänen zu erkennen. Aber nein, wir sind Deutsche versicherten wir ihm dann. Darauf hin sagte er "If you can guess how old I am, I'm gonna give you one million dollar. It's not easy!' Den Spaß liessen wir uns natürlich nicht entgehen, aber leider verfehlten wir sein Alter (er war 70 und sah wirklich nicht so aus) und bekamen statt die Millionen einen Trostpreis - jeder einen Kugelschreiber. Danach habe ich die wohl absurdeste, lustigste und wahrlich best erfundenste Lebensgeschichte gehört: er war sich sicher, dass er Präsident von Israel wird bei der nächsten Wahl, eigentlich ist er aber Schauspieler und auch nächste Woche im Fernseh. Lieber wäre er aber Drehbuchautor, denn er kann acht verschiedene Sprachen. Früher war er aber beim Geheimdienst und ist DAZU noch ausgebildeter Professor im psychologischen und physischen Bereich. Um das zu beweisen, sollte ich doch einen Satz aufschreiben ('we are from Germany and we like Israel pretty much' - auf die schnelle ist mir nichts besseres eingefallen) und unterschreiben. Jetzt könnte er mir ganz genau sagen was für ein Mensch ich bin und wie meine Zukunft aussehen wird: "Ooooh you gonna be a very very powerful person in the german government and you become the president. Everything that you make is perfect - your hair, your body, your clothes, your make up" (Kleine Notiz am Rande: Ich kam gerade aus dem Meer und laufe seit meiner Ankunft ungeschminkt rum). Ich konnte mich vor lachen nicht mehr halten und war den Tränen sehr nahe. Langsam aber sicher verabschiedeten wir drei uns dann und bedankten uns für dieses unterhaltsame Gespräch. Nachdem er uns versicherte, dass er so Deutsche wie uns mag und wir ja gar nicht so sind wie die Deutschen damals, zogen wir weiter und bekamen uns kaum noch ein. Verrückte Leute gibt es hier auf jeden Fall an jeder Ecke genügend. Das kann ich euch mit Sicherheit sagen!

Das war mein Yom Kippur! :-)
Bis gaaaaanz Bald, Laura.

P.S nach drei Stunden beim Amt sitzen habe ich nun mein Visum!!!!! :-) Nun steht meinem Jahresaufenthalt wirklich nichts mehr im Wege und dafür bin ich sehr dankbar.

1 Kommentar:

  1. Hallo Laura,

    auch wenn wir uns nicht kennen, schaue ich regelmäßig hier rein, um zu sehen, was du Neues schreibst. Immerhin verbringst du viel Zeit mit "meiner" Denise, und obwohl sie mir ja erzählt, was ihr so macht, bekomme ich durch deinen Blog noch mehr Einblick in das Leben, dass ihr zur Zeit führt.

    Ich wünsche dir noch viel Spaß und jede Menge interessnter Erfahrungen in deinem Friedensdienstjahr und freue mich schon auf jeden neuen Blogbetrag, den du noch schreiben wirst!

    LG aus Deutschland
    Evelin

    PS: Du hast ein tolles Zitat unter dem Header stehen :)

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