Schon wieder ist ein Wochenende, welches ich nicht zu Hause verbracht habe, vorüber und natürlich möchte ich euch davon erzählen. Denn dieses Wochenende haben wir in Ramallah, eine Stadt in der Westbank, verbracht und das Oktoberfest besucht. Ja, ihr habt richtig gelesen - das Oktoberfest. Aber immer mit der Ruhe, ich beginne natürlich am Anfang der Reise.
Mal wieder machten wir uns zu viert - also Denise und ich inklusive Jule und Judith - auf den Weg. Freitag vormittag trafen wir uns in Jerusalem, um gemeinsam vom Damaskus Gate den Bus nach Ramallah nehmen zu können. Ramallah ist einer der moderneren und größeren Städte der Westbank, wo sich auch die autonomie Behörde Palästinas befindet. Die Stadt ist also größten Teils arabisch, aber auch christlich.
Nach ein paar minimalen Orientierungsschwierigkeiten fanden wir das Hostel, wo wir die Nacht verbringen sollten. Es war super schnucklig, total schön hergerichtet und sehr familiär. Das 'Hostel in Ramallah' existiert erst seit zwei Monaten und besteht eigentlich bloß aus einer großen Wohnung, in der drei 8 Bett-Zimmer zur verfügung stehen, ein gemütliches Wohnzimmer und eine Gemeinschaftsküche. Wir haben uns sofort wohl gefühlt und können es nur empfehlen! (www.HOSTELINRAMALLAH.com)
Nachmittags erkundeten wir dann die Innenstadt von Ramallah, die leider nicht so lebhaft war, da der Freitag für die Araber der heilige Tag ist und somit sehr viel geschlossen war. Trotzdem bekamen wir noch was zu essen und auch das bekannte palästinensische Eis - es ist zäher als 'normales' Eis, so, als würde man Kaugummi essen wollen - wurde natürlich auch probiert. Auf dem Gemüsemarkt kamen wir uns fast vor wie im Paradies, nachdem wir nur die Preise auf israelischer Seite gewohnt waren und staubten somit Gemüse für das Abendessen für unter einem Euro ab. Danach ging es noch in die Altstadt von Ramallah, wo wir zufälligerweise eine sehr nette Stadtrundführung von einem jungen Mann, der im Hostel arbeitet, bekamen. Er zeigte uns eine alte traditionelle Bäckerei, ein palästinenisches Museum und das erste Haus in Ramallah, dessen damaliger Besitzer leben in die Stadt brachte. Den Abend verbrachten wir im Hostel zusammen mit einigen anderen Bewohnern, die zb aus Singapur und Chicago stammen. Sie waren unglaublich nett und wir hatten sehr interessante Gespräche. Wir haben uns außerdem den Film '5 broken cameras' angeschaut, der den Israel-Palästina-Konflikt thematisiert. Sehenswert.

 |
| Karl Knoblauch war endlich auch mit dabei |
 |
| ein Urgestein - das erste Haus in Ramallah |
 |
'Drop your memory here'
|
 |
| Graffiti in Ramallah |
Am Samstag verliessen wir dann das Hostel nach einem gemütlichem Frühstück und einer Verewigung auf der Eingangstür und machten uns nochmal auf den Weg in die Innenstadt. Diese war nun ein wenig belebter und der Markt, wo wir uns mit Obst für die nächsten Tage eindeckten, war unglaublich überfüllt. Stellt euch so einen richtig engen, vollen, bunten Markt vor, auf dem dich jeder Händler für sich gewinnen will. Wir drehten dann aber dem Markt mit vollen Tüten den Rücken zu und machten uns bereit für das Oktoberfest im Mövenpick Hotel.
In Taybeh, ein Ort in der Nähe von Ramallah, wird seit 1995 Bier gebraut. Seit einigen Jahren wird nun für zwei Tage das Oktoberfest veranstaltet, mit einem ausgewogenem Programm und der Möglichkeit lokale Produkte zu verkaufen. Natürlich geht es auch um das gute (trotzdem teure) Taybeh Bier. Normalerweise fand das Oktoberfest immer im Ort selber statt, damit man auch die Gelegenheit hatte die Brauerei zu erkunden, aber diesmal wurde es in das Mövenpick Hotel verlegt. Das war ein bisschen Schade, weil somit das Flair des Oktoberfestes nicht ganz zur Geltung gekommen ist - man könnte sagen, die Location war ein wenig zu 'versnobbt', um ihren Sinn - lokale Produkte zu vermarkten - zu erfüllen. Dennoch hatten wir eine Menge Spaß! Eine bayrische (ja tatsächlich eingeflogen!) Blaskapelle war anwesend, ein super lustiger Comedian, eine Clownshow (die leider nur ich lustig fand, aber immerhin) und einige weitere Bands. Es waren auch zahlreiche Deutsche anwesend und viele Kinder liefen in Trachten herum. Wie haben uns mit einigen unterhalten und fühlten uns für ein paar Stunden fast schon heimisch. Nur gab es statt Weißwurst und Sauerkraut auch hier Falafel und Shawarma (ähnlich wie ein Döner). Aber seht selbst:

 |
| die bayrische Blaskapelle |
 |
| die deutsche Runde |
 |
| Shawarma ist fast so gut wie Sauerkraut ;-) |
 |
| die Clownshow |
 |
| Vorführung traditioneller palästinensischer Tänze |
 |
| Karl wird geliebt - I |
 |
| Karl wird geliebt - II |
 |
| und von uns wird Karl natürlich auch geliebt! |
Das Wochenende hat mir mal wieder viel Spaß gemacht und ich habe eine Menge gesehen. Mit jedem weiterem Besuch in der Westbank, bekomme ich die Gelegenheit mich mehr und mehr mit dem Konflikt auseinander zu setzen. Ist man einmal vor Ort, so hat man kaum noch die Möglichkeit sich NICHT mit der Geschichte des Landes zu beschäftigen. Es ist sowohl interessant und spannend und jedes Gespräch bringt weiteren Stoff zum Nachdenken. Es bleibt dennoch schwierig und ich möchte mich nicht auf eine Seite - die israelische oder palästinenische Seite - schlagen. Auch jetzt ist es nicht an der Zeit, um über den Konflikt zu sprechen. Das würde mich wahrscheinlich auch noch Stunden hier beschäftigen. Dazu wird es wohl an einer anderen Stelle kommen.
Bis Bald! :-)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen