'Jesus, I'm not going to be one of those people who sits around talking about what they're gonna do. I'm just going to do it.' - John Green

Samstag, 28. Juni 2014

Jordanien


Mitte April war es in Israel wieder an der Zeit für ein weiteres jüdisches Fest - Pessach. Während das Land an den Auszug der Juden aus Ägypten gedachte, entflohen Denise und ich dem strengen Gebot an Pessah keine gesäuerte Lebensmittel essen zu dürfen und verbrachten 8 Tage in Jordanien. Schon eine Weile haben wir diesen Urlaub geplant und freuten uns riesig auf all die Orte, die wir zu sehen bekommen sollten.


das römische Theater in Amman
King Abdullah Moschee

Samstags abends nach Shabbat nahmen Denise und ich um Mitternacht den Nachtbus Richtung Eilat und kamen nach 5 Stunden im Süden an. Wir vertrieben uns noch ein wenig Zeit am Meer, um den Sonnenaufgang zu sehen und zu frühstücken und fuhren dann zum Grenzübergang. Dort verlief alles planmäßig und ohne großen Aufwand bekamen wir unseren Ausreisestempel in Israel und unseren Einreisestempel in Jordanien. Mit dem Taxi ging es dann nach Aqaba, aber nur, um von dort einen Bus nach Amman, in die Hauptstadt von Jordanien zu nehmen. Hier begann unsere Reise.
Wir verbrachten 2 Tage in Amman und erkundeten die Hauptstadt, die einige gut erhaltende Bauwerke hat, wie zum Beispiel ein römisches Theater und einen Tempel und einige schöne Moscheen. Außerdem besuchten wir das 'Jordan Museum of Popular Traditions'. Wir haben in Amman Ahmad, seinen Cousin und seine Freunde kennengelernt und durch diese einen wunderbaren Aufenthalt gehabt. Sie haben uns außergewöhnliche Plätze gezeigt, die nur Einheimische kennen können und uns unglaublich leckers einheimisches Essen probieren lassen - nein eigentlich haben sie uns fast gemästet :-D Ich habe zum ersten Mal 'Knafeh', eine süße arabische Speise probiert und war hin und weg! Ja, kochen können die Araber ohne wenn-und-aber.

Mustafa(Ahmads Cousin),Denise & Ich
Sonnenuntergang über Amman
ein Mitbringsel muss auch sein :-)

Spontan verlängerten wir unseren Aufenthalt in Amman um eine Nacht, da die Busse nach Petra - ich korrigiere mich, DER Bus nach Petra - nur einmal am Tag fährt und das schon um 6 Uhr in der Frühe. So passte es uns ganz gut, dass wir noch ein wenig Freiraum in unserem Plan hatten und erst einen Tag später nach Petra gefahren sind. Dafür haben wir einen spontanen Abstecher zum Berg Nebo gemacht, auf dem Moses gestorben sein soll. Dort habe er auch laut der Bibel das Heilige Land gezeigt bekommen. Nach einer aufwändigen Busfahrt und bloß 2 Km zu Fuß bergauf (jaja, die 2 Km waren eigentlich mindestens 6 Km!) haben wir unser Ziel erreicht und waren auch unheimlich froh über die Gesellschaft von Ahmad, den wir ja bereits zuvor kennengelernt hatten, denn er hat uns mit seinen arabisch Kenntnissen sehr weit gebracht - Shukran!
Wir verbrachten den Tag auf dem Berg, der einige Gedenkstätten beinhaltet und auch ein inoffizielles Grab für Moses, da sein Leichnahmen anscheinend nie gefunden wurde. Von dem Berg Nebo aus konnte man über Israel blicken, das Tote Meer sehen und Jericho erahnen. Es war ein ganz komisches Gefühl diesmal von der anderen Seite auf das Tote Meer zu Blicken und festzustellen, dass man doch eigentlich auf der anderen Seite entlang fährt und auf Jordanien guckt und auf einmal standen wir dort! Es war ein schöner ungeplanter Ausflug!
Denise und Ich
Entfernungen zu den heiligen Städten
Blick ueber Israel
passende Bibelstelle zum Berg Nebo
Der Berg Nebo - endlich angekommen
Gedenkstätte für Moses
Unser nächster Stopp war dann Petra - die Felsenstadt, die mittlerweile zu den sieben Weltwundern gehört. Dementsprechend ist der Eintritt auch wahnsinnig überteuert und es lohnt sich eigentlich nur eine 2-Tageskarte, die wir uns dann auch angeschafft haben. Genug für zwei Tage gibt es in Petra auf jeden Fall zu sehen.
Nachdem wir in unserem '5-Euro-die-Nacht' Hostel eingecheckt haben und das Schicksal auf unserer Seite hatten, denn anstatt in einem 16er Zimmer sind wir in einem 2er Zimmer untergebracht worden, erkundeten wir Petra. Es war heiß und unglaublich voll, denn wir hatten irgendwie das Glück, dass ausgerechnet an diesem Tag unzählige Schulen einen Ausflug in die Felsenstadt geplant hatten - Danke! Da blonde junge Europäerinnen in Jordanien eine Seltenheit sind, waren wir neben dem Weltwunder Petra eine sehr gefragte Attraktion. Wir wurden angestarrt, angesprochen und vor allem andauernd ungefragt fotografiert. Ich habe mich selten so unwohl gefühlt und musste des öfteren mit mir kämpfen nicht unfreundlich zu werden. Ein Kulturschock im wahrsten Sinne des Wortes.
Doch Denise und ich liessen uns den Besuch nicht vermiesen und erkundeten Petra innerhalb von zwei vollen und anstrengenden Tagen. Es ist unglaublich wie viel von dieser antiken Hauptstadt der Nabatäer erhalten geblieben ist. Königsgräber, eine Kirche, der Marktplatz, ein römisches Theater, ein beeindruckendes Kloster und das wohl bekannteste Wahrzeichen von Petra, die Schatzkammer verschlugen uns die Sprache. Alles ist in die an vielen Stellen bunten Felsen gemeiselt worden, und vor allem deswegen so besonders. Eigentlich können Worte nicht beschreiben, wie beeindruckend eine Landschaft sein kann, seht selbst:

die Schatzkammer!
der schmale Siq..
 ..bis man die Schatzkammer sehen kann


Der Marktplatz
... zum Kloster
der steile Weg...




farbenfrohes Gestein

Kameeeel

Da wir es nicht nur bei dieser beeindruckenden Landschaft belassen wollten, führte uns unsere Reise in die Wüste von Wadi Rum. Dort hatten wir vorab eine Nacht im 'Bedouine Lifestyle Camp' gebucht und waren gespannt was uns erwarten würde - eine Jeeptour durch die Wüste, eine Nacht in der Wüste mit typischem bedouinischem Essen und eine Kameltour am nächsten Morgen! Ich freute mich vor allem so sehr auf die Wüste, weil es eine rote Sandwüste ist, also ganz anders, als die Steinwüste, die man auch in Israel finden kann.
Im Camp angekommen wurden wir herzlich mit einem traditionellen Bedouinentee empfangen und nach ein paar Stunden (ja, wirklich ein paar Stunden) warten, begann unsere Reise im Jeep. Da Wadi Rum vor allem durch den Film 'Lawrence in Arabien' bekannt geworden ist, gehörten zu unseren Anhaltspunkten natürlich auch Drehorte, wie zum Beispiel das Lawrence Haus und eine Quelle, die in dem Film eine Rolle spielt. Dazu kamen wunderbare Ausblicke, eine rieeeesige Sanddüne, die wir runtergerutscht sind, eine kleine Wanderung zwischen Schluchten und ein legendärer Sonnenuntergang in der Wüste. Wadi Rum ist mit eines der schönsten Orte, die ich bis jetzt in meinem Leben sehen durfte und ich war einfach hin und weg von dieser Landschaft. Ich würde sogar sagen, dass dieser Punkt auf unserer Reise mein Highlight war, was unter anderem auch an dem Camp lag, in dem wir untergebracht waren.
'Zaarb'
Nach dem Sonnenuntergang ging es nämlich zu unserem Schlafplatz, wo sich schon andere Gäste eingefunden haben. Es gab dort ein Lagerfeuer, Tee und Musik von den Bedouinen gespielt. Bald war auch das Essen fertig. Es gab 'Zaarb', ein traditionelles Bedouinenessen - es wird ein Loch in den Wüstenboden gegraben und auf dem Grund ein Feuer gezündet, daraufhin wird ein Gestell, dass mit Fleisch, Gemüse und Kartoffeln belegt ist in das Loch gelassen und dann mit einem Tuch bedeckt. Nun kommt ein riesiger Berg Sand oben drauf und das ganze gart mehrere Stunden in diesem Loch. Wir durften dann dabei zusehen, wie das Essen aus dem Boden gehoben wird. Selten habe ich so leckeres und zartes Fleisch gegessen. Das war ein kulinarisches Erlebnis vom feinsten!
Am nächsten morgen wurden wir früh geweckt und nach einem leckeren und vielfältigem Frühstück, ging es für uns zurück zum Ausgangspunkt, von wo wir aus weitergereist sind. Aber das besondere an unserer morgendlichen Rückreise waren die Kamele, auf denen wir geritten sind. Es lag eine unheimliche Harmonie in der Luft, so früh am morgen durch die menschenleere Wüste zu reiten und dann auch noch ganz passend mit Kamelen. Das hat unseren Trip in die Wüste wunderbar abgerundet.
Unser treuer Begleiter :-)
Kamele in der Wildnis
Die Wüste
In den Dünen


Denise und Ich



Hab es bis nach oben geschafft!
Sonnenuntergang
so schöner Sand!

Die letzte Etappe unserer Reise hieß dann - Aqaba am roten Meer! Dort angekommen wurden wir erstmal von 36 Grad im April überwältigt und das auch noch in einer arabischen Stadt, wo man halbwegs bedeckt rumlaufen muss. Da war schwitzen angesagt. 
So ritten wir morgens noch mit Kamelen in der Wüste, schnorchelten wir nachmittags schon im roten Meer und erkundeten die Unterwasserwelt. Es war total beeindruckend die ganzen bunten Fische und Korallen zu sehen. Und ich habe Nemo gefunden! Er war bei Dori, sie sind gemeinsam unter mir her geschwommen, also keine Sorge ;-) Auch wenn es in Aqaba nicht wirklich möglich ist am Strand zu liegen und zu entspannen, da man sich zwischen all den vermumten Frauen sehr merkürdig vorkommen würde, genossen wir die Zeit im Wasser. 
Ansonsten verbrachten wir unseren nächsten Tag in Aqaba mit ein wenig Sightseeing, einem Mittagsschläfchen, da die 40 Grad (ungelogen) nicht auszuhalten waren und gutem und vor allem güstigen Essen. Ich habe endlich meine Garnelen bekommen, die ich mir schon so lange sehnsüchtig auf meinem Teller gewünscht habe.
Am nächsten Morgen ging es dann über die Grenze wieder zurück in unser geliebtes Israel. Und endlich verstanden wir wieder Wörter, die auf der Straße gesprochen wurden und konnten uns mit unserem Bikini sorgenfrei an den Strand legen. Das machten wir dann auch, denn unser Bus nach Hause fuhr erst um 14 Uhr mittags. 

Jordanien war die bis jetzt spektakulärste, aufregendste, vielfältigste und beeindruckendste Reise meines noch nicht allzu langen Lebens. Nie hätte ich zuvor gedacht, dass dieses Land so interessant sein könnte und so unglaublich viel zu bieten hat. Ja, Jordanien ist voller Überraschungen und allein der Landschaft und des Essens wegens eine Reise wert. Und man kann sich sicher sein, dass man auf seiner Reise gastfreundlichen Menschen begegnet. 
Außerdem bin ich froh, dass ich diese Reise mit Denise erlebt habe, denn sie hat auch dazu beigetragen, dass einfach alles reibungslos verlaufen ist und wir eine Menge Spaß hatten! Shukran Denise :*






Samstag, 14. Juni 2014

Germans everywhere

Überall wo man sich in Israel bewegt, läuft man Deutschen über den Weg. Germans everywhere! Aber ich muss zugeben, dass ich wohl gut dazu beigetragen habe, die Zahl der deutschen Touristen in Israel zu erhöhen. Wie schon erzählt, durfte ich den Besuch meiner Schwester geniessen. Im Februar folgten dann Meike und Patrick, im April meine Großeltern und zwischendurch hat immer mal wieder Olli, mein Freund bei mir vorbei geschaut. Aber mal langsam:

Meike und Patrick in Jerusalem...
Meike und ihr Bruder Patrick haben mich für eine Woche besucht und durften die ersten lauwarmen Tage in Israel geniessen. Eigentlich sollten sie schon mittwochs in Tel Aviv landen, aber die Türkei hatte von dem schönen Wetter noch nicht viel mitbekommen. So mussten die beiden leider auf Grund von Nebel in Izmir zwischen landen und erreichten mich einen ganzen Tag zu spät - Danke Pegasus-Airline dafür!
... und im toten Meer
Hier angekommen, verlief dann aber alles wie am Schnürrchen. Wir fuhren von Freitag bis Sonntag nach Jerusalem und wohnten in einem richtig gutem Hostel (Abraham Hostel), auch wenn das israelische Organisationstalent wiedermal zum vorscheinen kam und Patrick in einem anderen Zimmer untergebracht war. Freitags erkundeten wir die Altstadt von Jerusalem - mit allen Touristenattraktionen so wie es sich gehört und einer halbwegs guten Falafel. Samstag ging es in die Westbank nach Bethlehem, inklusive einem Besuch an dem Checkpoint 300, über den man in die Westbank gelangt. Abends genossen wir dann den Blick über Jerusalem vom Ölberg aus - jedes Mal aufs Neue schön anzusehen! Sonntag war das Glück auf unserer Seite und wir hatten fast 30 Grad (sagte die Anzeige) am toten Meer und das Mitte Februar. Nach einer nicht zu vergessenen Schlammkur konnten wir also ein wenig Sonne tanken. Bevor es Montag zurück nach Tel Aviv ging, besuchten wir das Holocaust Museum Yad Vashem. Auch für mich war es der erste Besuch und ich war unheimlich beeindruckt und ergriffen von dem umfangreichen Material, dass das Museum ausstellt. In meinen Augen für jeden Besucher in Israel ein 'Muss'. Die letzten beiden Tage genossen wir in Tel Aviv am Strand, mit gutem Essen und kleiner Shoppingtour.
Halle der Namen - Yad Vashem

Checkpoint 300 - Bethlehem


...der Moment, wenn die dollen 5 Minuten auch in Israel auftauchen :-)

Ich habe die Zeit mit den beiden so sehr genossen und es tat unheimlich gut Besuch aus Deutschland zu bekommen und diesem zeigen zu können, wo ich meine Zeit verbringe. Meike und Patrick, ich danke euch so sehr für: mutige kulinarische Kostproben, die euch so gefallen haben, dass ihr glatt Schokothrina und Hummus mitnehmen musstet, für endlose Gespräche über Israel und alles was dazu gehört, für Belustigungen über seltsame Zimmerpartner im Hostel, für Hängematten-nickerchen, für Halbmarathontrainingseinheiten (hust), für viele viele weitere lustige Momente, von denen ich so gerne erzähle und an die ich mich oft erinnere! Yallah bye, sehen uns im August! :)






- - - -

Der Besuch meiner Großeltern war mindestens genau so wunderbar! Es war ein unglaubliches Gefühl die beiden nach 8 Monaten am Flughafen in meine Arme schliessen zu können. Wir hatten sowohl eine Ferienwohnung in Tel Aviv, als auch in Jerusalem gemietet, um in der Woche so viel wie möglich erkunden zu können, denn ich hatte mir eine Menge vorgenommen. Mit einem Mietwagen erleichterten wir uns das Reisen im Land zusätzlich.
Die ersten beiden Tage in Tel Aviv nutzten wir, um die Stadt und natürlich meine Arbeitsstelle zu erkunden. Ich zeigte Oma und Opa das Kfar, in dem ich den Großteil meiner Zeit verbringe und stellte sie sowohl einigen Friends als auch den Managern vor, wobei meine Gruppe außerhalb des Kfars war und ich diese somit nicht vorstellen konnte. Vollgepackt mit neuen und ungewohnten Eindrücken begann von da an der Urlaub und wir besuchten die Standardtorte - Jerusalem, Bethlehem und das tote Meer.
Es war eine wunderbare Woche, in der ich entspannen und die Gegenwart von Oma und Opa geniessen konnte. All die Gespräche waren Balsam für die Seele und ein Stück Heimat hier in Israel. Auch wenn die Reise ein wenig anstrengend war, bin ich so froh, dass ich meinen Großeltern all das zeigen konnte und sie vor allem begeistern konnte. So war mein Opa anfänglich doch skeptisch und konnte sich Israel nicht so recht vorstellen, war ich umso glücklicher beide so begeistert gesehen zu haben. Man konnte richtig sehen, dass sie sich wohl gefühlt haben - in der Altstadt von Jaffa, in Jerusalem, auf der Festung Masada in der Wüste. Wir saßen einen Abend in der Neustadt von Jerusalem und mein Opa sagte zu mir, dass er sich in seinem Leben nicht hätte vorstellen können, dass er mal in Jerusalem sitzen würde, und sich dabei so wohl fühlen würde und das Treiben der Stadt so geniessen würde.
Ich danke euch beiden von ganzem Herzen für diesen Besuch und dass ihr dafür gesorgt habt, dass diese Reise ein richtiger Urlaub für mich gewesen ist. Ich bin so froh, dass ich euch meine kleine liebgewonnene neue Heimat zeigen konnte und ihr nun wisst wovon ich spreche, wenn ich sage, dass ich in Tel Aviv auf dem Markt einkaufen gehe, am Strand liege oder in die Wüste fahre! Es tat so gut euch zu sehen - bis bald, dann werden wir noch Ewigkeiten über diesen Urlaub sprechen.
(Leider gibt es bloß auf Opas Kamera Bilder, die mich noch nicht heimgesucht haben ;-P)

Weckruf!

Es ist an der Zeit aus dem sehr lange anhaltendem Winterschlaf wieder aufzuwachen und somit auch meinen Blog zu wecken. Ja, ich weiß, ich habe sehr lange nichts von mir hören lassen, aber der Alltag hat sich so sehr eingeschlichen, dass ich einfach nicht über das Schreiben nachgedacht habe. Und wie meine ehmalige Philosophielehrerin so schön zu mir sagte 'zu leben ist spannender als darüber zu schreiben'. Aber ich werde euch wieder auf den neusten Stand bringen.
Es ist nicht nur so, dass ich meine Wintermüdigkeit mit in den Frühling geschleppt habe, nein, ich habe auch seit einiger Zeit Probleme mit meiner Tastatur und mir sind ein paar Buchstaben abhanden gekommen. Das erschwert mir das Schreiben sehr - aber ein Hoch auf die Bildschirmtastatur, mit der ich mich nun durchschlage!

Es ist mittlerweile Mitte Juni und solangsam aber sicher stellt sich eine gewisse Abschiedsstimmung ein. Mir bleiben noch zwei einhalb Monate in Israel und ich bin nach wie vor erstaunt darüber wie schnell die Zeit vergeht. Die Arbeit nimmt unheimlich viel Zeit in Anspruch und ist in manchen Phasen aufregend, motivierend und macht mir Spaß, dennoch schleichen sich oft auch Phasen ein, in denen die Arbeit sehr anstrengend ist und eine Menge Kraft und Geduld von mir verlangt. - Dazu in einem weiteren Blogeintrag mehr!

Gereist bin ich in den letzten Wochen auch eine Menge. Ich habe das Land verlassen und zusammen mit Denise Jordanien erkundet, war in Jericho wandern und habe meinen Geburtstag im Süden des Landes - in Eilat - verbracht. Zwischendurch habe ich immer mal wieder wunderbaren Besuch genossen! Und auch davon möchte ich in Ruhe in den nachfolgenden Blogeinträgen erzählen.

Mit einer großen Portion Motivation mache ich mich nun an die Arbeit euch von meinen letzten Wochen zu erzählen! Einen klitzekleinen Einblick, was es zu berichten gibt, habe ich ja schon gewährt :)

Kibbuz Nasholim

Samstag, 12. April 2014

2. Rundbrief

März 2014

Shalom liebe Familie und Freunde,
Shalom liebe Bekannte und Interessierte,

auf Grund einiger technischer Probleme meines Laptops, kommt mein zweiter Rundbrief mit
ein wenig Verspätung, aber dennoch mit viel Liebe und Freude. Ich hoffe, dass es euch in
der Heimat gut geht und ihr die ersten richtigen Sonnenstrahlen genießt. Nach einem wirklich
kurzen Winter, ist bei uns schon etwas länger der Frühling angekommen. Alles blüht in
verschiedenen Farben, wir packen so langsam unsere kurzen Klamotten wieder aus und der
Strand füllt sich von Tag zu Tag.

In meinem letzten Rundbrief habe ich euch von meiner Arbeit hier in Israel erzählt und euch
versucht, meinen Alltag etwas näher zu bringen. Heute geht es um das wunderbare und
spannende Land Israel an sich.
Obwohl dieses Land nicht groß ist - kleine Orientierungshilfe: es ist von der Fläche ungefähr
so groß wie das Bundesland Hessen - hat es so unglaublich viel zu bieten, dass es mir
schwer fällt einen Anfang zu finden.

Israel, das heilige Land, hat eine sagenhaft lange und bedeutende Geschichte, doch existiert
es als Staat Israel erst seit 1948. Das Land befindet sich im Nahen Osten und grenzt im
Norden an Syrien und den Libanon, im Osten an Jordanien und das Westjordanland, im
Westen an Ägypten und den Gazastreifen. Ganze vier verschiedene Gewässer grenzen an
bzw. befinden sich in Israel - das Mittelmeer, das rote Meer, das tote Meer und der See
Genezareth.
Die Landschaft ist wahnsinnig vielfältig und überrascht mich jedes Mal aufs Neue. So findet
man im Norden von Israel die Golan Höhen. Hier gibt es richtige Gebirgslandschaften, die
sich wunderbar zum Wandern eignen. Auf dem Berg Hermon (2814 m) liegt im Winter sogar
Schnee. Jetzt im Frühling ist es in den Golan Höhen besonders schön, denn alles ist grün
und diverse Blumen fangen an zu blühen. Eine Vielzahl von Tieren lässt sich dort Blicken,
die man teilweise nur dort sehen kann. Letzten Monat war ich zusammen mit drei weiteren
Freiwilligen in einem Nationalpark (Yehudia-Park) in den unteren Golan Höhen wandern und
ich habe es richtig genossen. Es war sehr abenteuerlich, denn wir sind durch einen Fluss,
der uns bis zum Bauch reichte, gewandert, steile Wege auf und ab, und schließlich bei
einem Wasserfall gelandet.
In Zentrum des Landes befindet sich der Großraum Tel Aviv, in dem auch ich wohne. Tel
Aviv wird oft scherzhaft 'die Blase' genannt, weil man kaum etwas von Unruhen im übrigen
Land mitbekommt und weil es einfach so anders ist. Das kann ich nur bestätigen. Tel Aviv
ist... ach wie soll ich Tel Aviv bloß beschreiben. Ich liebe diese Stadt! Hier kommt so viel
zusammen - riesige Hochhäuser und Hotels, die die Skyline von Tel Aviv bilden, neben
kleinen heruntergekommenen Gebäuden. Riesige Shoppingmalls mit aller Welt Läden wie
H&M und Zara, neben kleinen Kiosken, billige Klamottenläden und Gemüse und
Obstständen. Wunderschöne Gassen gefüllt mit kleinen Boutiquen und Kunst, neben
abermals übermalten Graffitis. Und eben diese Graffitis, die überall in der Stadt zu finden
sind, machen die Stadt für mich so charmant. Tel Aviv ist natürlich auch vom Tourismus
geprägt - vor allem an den Stränden - und dennoch lernt man viele einheimische Ecken
kennen. Es gibt zahlreiche Restaurants, Bars und Cafes mit Liebe zum Detail und eins sieht
einladender als das andere aus. Bräuchte man doch nur nicht immer das nötige Kleingeld.
Ein paar Schritte weiter in den Süden und man findet die wunderschöne arabische Altstadt
von Jaffa. Mir gefällt hier vor allem der Hafen. Und die Menschen – „multikulti“ - alle
Religionen, Kulturen und Nationen sind irgendwo vertreten.

                             
                              Graffiti am Hafen von Jaffa                                 Skyline von Tel Aviv

Eine Stunde weiter in den Süden und man gelangt in die heilige Stadt Jerusalem. Jerusalem,
die Stadt, die die drei Weltreligionen vereint. In kaum einer Stadt spürt man so viel Religion,
wie hier. Die Altstadt ist in verschiedene Viertel aufgeteilt - das christliche Viertel, das
arabische Viertel, das armenische Viertel und das jüdische Viertel. In den Vierteln verspürt
man die jeweilige Religion besonders. Die Altstadt ist nämlich voll von Moscheen,
Synagogen, Kirchen und anderen Sehenswürdigkeiten, die Schauplätze diverser biblischer
Geschichten sind - unter anderem auch die Grabeskirche, in der Jesus begraben worden
sein soll. Unweigerlich sieht man sich mit der Frage konfrontiert, ob Jesus tatsächlich dort
gewesen sein sollte. Der Tourismus in der Altstadt macht es einem dann doch sehr schwer
sich das vorzustellen. Viele Pilgergruppen befinden sich tagtäglich und vor allem am
Wochenende in Jerusalem. Jerusalem ist so mystisch und beinhaltet so viel Geschichte,
dass ich mich nach jedem weiteren Besuch in der Stadt mit so vielen Fragen
auseinandersetze und die Neugierde verspüre, mehr über sie und die Geschichten, die sich
dort abgespielt haben sollen, herauszufinden.


 
    Die Altstadt von Jerusalem - Blick vom Ölberg
                                                                      
Weiter südlich von Jerusalem beginnt schon bald die Negev Wüste, welche mehr als die
Hälfte des Landes ausmacht. Im Norden der Negev Wüste befindet sich das Tote Meer. Das
Tote Meer ist bekannt für seinen hohen Salzgehalt - kaum vorzustellen, aber im Mittelmeer
beträgt das Salzgehalt 3% und im Toten Meer 33%. Das ist auch der Grund, wieso man im
Toten Meer nicht untergeht, sondern auf der Oberfläche treibt. Als ich das erste Mal im Toten
Meer auf dem Wasser getrieben bin, fand ich dieses Gefühl so ungewohnt und eigenartig.
Man kann gar keine Schwimmbewegungen machen, da die Füße aus dem Wasser ragen.
Das Meer ist das perfekte Gewässer um zu entspannen, denn man muss sich nicht
anstrengen, um über Wasser zu bleiben. Doch solltet ihr jemals die Gelegenheit bekommen
im Toten Meer zu treiben - und ich sage euch, dass sich dieses Erlebnis lohnt! - dann
probiert ja keinen Tropfen. Es ist absolut widerlich.
Die Landschaft ist auch hier einfach atemberaubend. Das komplette Gegenteil von dem
israelischen Norden. Hier ist alles kahl, steinig, bergig und erinnert an eine Mondlandschaft.
Man kann Kamele und Gazellen sehen, sieht einige Palmenplantagen und kommt sich vor
wie in einem anderen Land, dabei ist man doch nur zwei ein halb Stunden von zu Hause
weg. Weiter südlich in der Negev Wüste war ich noch nicht und deshalb kann ich euch
diesmal noch nichts davon berichten, aber dieses Ziel steht noch auf meiner Liste.

Erstes Schweben im Toten Meer

     Blick auf die Wüste und das Tote Meer

Im Osten lieg das Westjordanland, oder auch autonome Palästina. Auf der palästinensischen
Seite befinden sich ebenfalls wichtige religiöse Orte wie zum Beispiel Bethlehem und
Hebron, aber auch Ramallah, wo die Autonomie Behörde ihren Sitz hat. Eine Reise nach
Palästina ist nur mit gültigem Reisepass und Visum möglich. Man gelangt nämlich nur über
bestimmte Grenzkontrollen, so genannte Checkpoints, nach Palästina, da eine Mauer das
Land von Israel abgrenzt. Nach einer Passkontrolle, die bis jetzt bei mir noch nicht
spektakulär ausgefallen ist, kann man sich als Tourist recht frei im Land bewegen. Man sollte
sich aber darüber im Klaren sein, dass man sich nun in einem überwiegend von Arabern
bevölkerten Land befindet und sich deswegen zum Beispiel angemessen kleiden. Der
Lebensstandart in Palästina ist auf Grund des Konfliktes im Land niedrig. Hier ist alles ein
wenig chaotischer und enger, alles ist nun auf Arabisch und man versucht seinen
hebräischen Wortschatz so gut wie gar nicht zu benutzen, um niemanden zu nahe zu treten.
Vor einigen Monaten war ich mit Denise, meiner Mitbewohnerin und zwei weiteren
Freiwilligen in Ramallah, in einem neu eröffneten Hostel. Wir wurden super herzlich
empfangen, hatten es dort sehr gemütlich und genossen eine interessante Stadtführung. Der
Tourismus kommt erst in den letzten Jahren nach Palästina. Die Araber dort freuen sich über
interessierte Menschen und ich habe immer wieder aufs Neue pure Gastfreundschaft
erfahren.
Die Mauer, die Israel von Palästina teilt

So erging es auch mir und meinem Freund Olli, als wir vor ein paar Wochen in Hebron
waren. Hebron ist eine vom Konflikt geprägte Stadt. Denn hier befindet sich mitten in
Palästina eine jüdische Siedlung. Es gibt einen jüdischen und einen arabischen Teil von
Hebron und die jeweiligen Gebiete sind für die anderen nicht zugänglich. So leben doch nur
ca. 450 Juden in Hebron, ist dafür eine starke militärische Präsenz vorhanden, denn immer
wieder kommt es hier zu Ausschreitungen, da beide Parteien so eng beieinander leben.
Als wir in Hebron waren, hat es in strömen geregnet, und dennoch hat uns nach den ersten
Sekunden in der Stadt ein netter Herr angesprochen, der uns Hebron zeigen und erklären
wollte. Voller Geduld erzählte er uns viele interessante Dinge, die wir ohne ihn sicher nicht
so begriffen hätten und er war uns nicht böse, als wir die Tour auf Grund des Wetters
absagten. Nein, er bot uns sogar an bei ihm und seiner Familie zu Hause unter zu kommen,
falls wir es nicht mehr nach Hause schaffen sollten und bot mir auch an, bei einem nächsten
Trip nach Hebron erneut auszuhelfen. Doch wir erreichten noch rechtzeitig den Bus nach
Hause.

All diese Vielfältigkeit steckt in einem Land, das nur von ca. 8 Millionen Menschen bewohnt
wird. Das Besondere dabei ist, dass es das einzige Land ist, in dem die Juden eine Mehrheit
darstellen.
Doch nicht automatisch alle Juden sind gleich. Sie unterscheiden sich in ultraorthodoxe
Juden, die man schon an ihrer dezenten, schwarz-weißen Kleidung und Schläfenlocken
erkennt, in orthodoxe Juden, die oftmals eine Kippa tragen oder andere kleine Merkmale die
Zugehörigkeit erkenntlich machen und säkulare Juden. So sieht man nicht nur im Alltag
überall Menschen, denen man ihre Religion am Äußeren ansehen kann, nein, man spürt an
allen Enden und Ecken, dass dieses Land religiös geprägt ist, ganz anders als zum Beispiel
Deutschland, wo Staat und Religion getrennt sind. Viele Dinge waren deshalb für mich am
Anfang sehr ungewohnt. So beginnt das Wochenende (Shabbat) hier am Freitagnachmittag
bei Sonnenuntergang und endet am Samstagnachmittag. In diesem Zeitraum sind so gut wie
alle Geschäfte, Supermärkte und öffentliche Einrichtungen geschlossen. Ultraorthodoxe
Haushalte benutzen am Shabbat keinen Strom und fahren nicht mit dem Auto. Es fahren
deswegen auch keine Busse mehr und nur einige Sheruts (arabische Taxen) fahren in
vereinzelte Städte. Für mich heißt das: entweder man bleibt das Wochenende komplett zu
Hause oder aber man verreist vollständig. Dazu kommt auch, dass ich, anders als ihr
Daheim-Gebliebenen, am Sonntag wieder zur Arbeit gehen muss.
Ein weiteres Beispiel für die Präsenz der Religion ist das koschere Essen. Das Judentum
schreibt vor, dass Fleisch - und Milchprodukte nicht zusammen gegessen bzw. serviert
werden dürfen. Manche sehen es strenger und haben sogar verschiedene Kühlschränke für
Fleisch - und Milchprodukte. Dies ist jedoch von Familie zu Familie verschieden. Aus diesem
Grund gibt es überwiegend koschere Restaurants in Israel, wo man keine Fleisch - und
Milchprodukte zusammen auf seinem Teller finden wird. Eine Pizza Salami ist damit
undenkbar! Es gibt auch viele Lebensmittel im Supermarkt, die den Aufdruck 'Parve' haben.
Das besagt, dass dieses Lebensmittel koscher ist und ohne bedenken gegessen, bzw. mit
einer der beiden Gruppen zubereitet werden kann. Fisch ist zum Beispiel 'Parve'. Es klingt
vielleicht schwieriger als es ist, aber mittlerweile fällt mir schon gar nicht mehr auf, dass mein
Gericht koscher ist. Und hat man doch mal Hunger auf einen Cheeseburger, so kennt man
mittlerweile die richtigen Orte ;-)

Besonders an Israel sind außerdem die zahlreichen jüdischen Feiertage. Es ist irgendwie
schon eigenartig in einem Land zu leben, in dem Weihnachten und Ostern keinerlei
Bedeutung haben. Dafür gibt es hier andere interessante und traditionsreiche Feiertage, die
alle ein Anlass für die Familie sind, zusammen zu kommen und gemeinsam zu feiern. Dabei
spielen bestimmte Rituale und Mahlzeiten eine wichtige Rolle.
Ganz am Anfang meines Jahres habe ich 'Rosh Hashana', das jüdische Neujahrsfest
miterlebt. Quasi Silvester ohne Feuerwerk im September, ein interessantes Erlebnis. Letzte
Woche wurde in Israel Purim, das jüdische Karnevalsfest gefeiert. Alle verkleiden sich und
feiern gemeinsam, die Befreiung der Juden aus Persien. Eine weitere Befreiung der Juden
wird im April gefeiert. Diesmal geht es jedoch um die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten
und eine Woche lang dürfen keine gesäuerten Lebensmittel gegessen werden. Aus diesem
Grund wird kein gesäuertes Brot oder ähnliches verkauft und auch die Alkoholabteilung im
Supermarkt wird mit Vorhängen abgedeckt. Ein weiters Beispiel, wie sehr die Religion in
diesem Land präsent ist. Dies sind nur einige der Feiertage, die ich schon miterlebt habe
bzw. noch miterleben darf.

Das Militär spielt im Land eine große und wichtige Rolle. Noch nie habe ich so viele Soldaten
gesehen, die ihr Gewehr wie Frauen ihre Handtasche mit sich herum tragen. Und noch nie
habe ich mich eine Sekunde lang dadurch unsicher gefühlt.
Klar, am Anfang ist es sehr ungewohnt und man kann seinen Blick kaum von diesen
Gewehren abwenden. Es dauert auch eine Weile bis man sich daran gewöhnt, dass man an
jeder großen Busstation und Shoppingmall seine Tasche vorzeigen muss, damit der Inhalt
kontrolliert werden kann. Aber in Israel steht die Sicherheit des Landes nun mal an erster
Stelle. Das ist auch der Grund, wieso jeder Jugendlicher Militärdienst leisten muss. Sobald
sie die Schule abgeschlossen haben, gehen Jungs für 3 Jahre und Mädchen für 2 Jahre in
die Armee. Es gibt kaum eine Möglichkeit diesen Dienst zu umgehen, außer man ist
ultraorthodoxer Jude, psychisch Krank oder als Mädchen bereits verheiratet. Überall sehe
ich in meinem Alltag Jugendliche in meinem Alter, die ihren Wehrdienst absolvieren. Für
mich war dies am Anfang auch sehr schwer nachzuvollziehen, vor allem, weil das Militär in
Deutschland eine so geringe Rolle spielt. Aber ich habe im Laufe der Zeit versucht zu
verstehen, dass Israel sich schützen möchte und ein Land ist, wo Krieg allgegenwärtig ist.
Wenn man nicht hier lebt, so ist es schwer nachzuvollziehen.
Das gleiche gilt auch für den Israel-Palästina Konflikt. Eigentlich gibt es keine Möglichkeit im
Land sich nicht damit zu beschäftigen. Alle Gespräche, egal ob mit Juden, Arabern oder
Touristen, enden in einer Diskussion über den Konflikt. Man sieht viel mit eigenen Augen,
man sieht aber auch doppelt so viel einfach nicht. Ich habe für mich entschieden nicht über
den Konflikt zu schreiben, denn ich bin der Meinung, dass es mir nicht erlaubt ist ein Urteil zu
bilden, denn ich bin nur ein kurzes Jahr in diesem Land, das seit vielen vielen Jahren von
diesem komplizierten und tief verwurzelten Konflikt geprägt wird.
Ich habe mich hier noch zu keiner Zeit unsicher gefühlt, im Gegenteil. Wenn ich mich nicht
selbstständig auf den Neusten Stand bringen würde, bekäme ich nicht mit, wie die Situation
aktuell aussieht.
Und obwohl Israel ein Land ist, in dem Krieg allgegenwärtig ist, spürt man dies innerhalb der
Gesellschaft kaum. Die Einheimischen leben ihr Leben in vollen Zügen, besetzen zu jeder
Tages – und Nachtzeit Cafés und Bars, und sind sich für keine Party zu schade. Ich habe
selten so viel Offenheit und Gastfreundschaft erfahren, wie hier. Die Leute sprechen dich auf
der Straße an, einfach nur weil sie an einem unbeschwerten Gespräch interessiert sind und
bewundern einen immer wieder für die Arbeit, die ich hier vollbringe. Und dann bin ich wieder
Dankbar dafür, dass ich diese Erfahrung machen darf, die mir keiner mehr nehmen kann.

Ich bin nun am Ende meines Rundbriefes angekommen und ich hoffe, dass ich euch einen
kleinen, aber feinen persönlichen Eindruck von Israel vermitteln konnte. Eigentlich gibt es
noch so viel mehr über das Land zu sagen, aber es gibt glücklicherweise noch einen dritten
Rundbrief. Mitte April geht es aber erst einmal für mich und Denise nach Jordanien, ein
weiteres Land, das ich erkunden werde. Ich bin unheimlich gespannt.
Es gibt so viele Menschen, denen ich unendlich Dankbar bin, denn ohne sie würde ich jetzt
nicht hier sitzen und über meine Eindrücke schreiben können. Ich danke den Leuten, die
mich finanziell unterstützen, und ich danke den Leuten, die ihren Glauben in mich gesetzt
haben und mich auf diese Weise unterstützen. Außerdem danke ich dem Cevi Wuppertal-
Langerfeld und meiner Organisation, der evangelischen Kirche im Rheinland – Danke!

Bis zum nächsten Rundbrief und einen lieben Gruß in die Heimat,
Laura Wiggers

Samstag, 25. Januar 2014

Besuch vom Feinsten!

Am zweiten Weihnachtstag bekam die Denise besuch von einer Freundin aus Deutschland und weil mir sonst so schrecklich langweilig zu Hause gewesen wäre, begleitete ich sie zum Flughafen. Und wer stand da auf einmal vor mir? Meine Schwester Kimberly! Ich bin aus allen Wolken gefallen, hab vor Freude geheult und geflucht, dass sich hinter meinem Rücken alle gegen mich verschwören und dann wieder vor Freude gelacht! Meine Großeltern schenkten tatsächlich sowohl Kimi, als auch mir eine gemeinsame Woche in Israel - Danke, dafür werde ich euch ewig dankbar sein! Zum Glück hatte ich mir doch noch kurzfristig ein paar Tage Urlaub genommen und konnte die Zeit mit meiner Schwester also in vollen Zügen geniessen.
Wir fuhren zusammen mit Denise und ihrem Besuch für zwei Tage nach Jerusalem und klapperten dort natürlich alle Sehenswürdigkeiten ab, so wie sich das gehört. Eine völlig überfüllte Altstadt, überteuerte (Tiefkühl? Man weiß es nicht) Pizza am Shabbat-Abend, Frühstück mit Aussicht auf den Felsendom, viel zu schönes Wetter für Ende Dezember, vertraute und lang vermisste Diskussionen über Gott und die Welt - im wörtlichen Sinne, der erste Besuch an der Klagemauer, harte Verhandlungen auf dem Basar und ein traumhafter Ausblick auf Jerusalem bei Nacht vom Ölberg aus. Immer wieder schön Jerusalem neu zu entdecken.
Meine Schwester! :)
der Beweis - in Jerusalem lag Schnee
Kim und die Mauern der Altstadt
Die Altstadt bei Nacht


 Zu einem Besuch in Israel gehört natürlich auch ein Abstecher zum Toten Meer und so fuhren wir für einen Tagesauflug nach En Gedi, damit Kimberly auch die Erfahrung macht im Wasser zu schweben. Leider war es ein bisschen bewölkt, aber das hielt uns nicht davon ab ins Wasser zu gehen. Auch dieses Mal war es ein unglaubliches und unbeschreibliches Gefühl im Toten Meer zu baden - und das im Winter.

zum ersten Mal schweben!

Die restlichen Tage verbrachten wir in Tel Aviv und genossen die gemeinsame Zeit. Ich zeigte Kimberly all die schönen Orte, die ich in Tel Aviv bereits in mein Herz geschlossen habe. Wir erkundeten den Carmel Market, tranken literweise Jumex-Mangonektar (eindeutig der Beste!) und feierten Denises Geburtstag mit einem super leckeren asiatischem Essen. Wir shoppten im Azrieli Center, feierten Silvester am Strand und gaben in der Nacht den Kampf um ein Taxi nicht auf, Kimberly ging auch noch im Mittelmeer schwimmen (ich war zu feige bei 15 Grad) und wir schlenderten durch die wunderschöne Altstadt von Jaffa. Wir gingen viel zu oft gut und lecker essen, kochten aber trotzdem zwischendurch, lachten und quatschten stundenlang. Danke Kimi für die wunderschöne Zeit, bis ganz bald, und das vielleicht früher als wir denken? :*

Winterschlaf

Ja, ich gestehe, dass mein Blog dem Winterschlaf verfallen ist und es deswegen lange ruhig war. Aber passend zu den 22 Grad draußen schüttel ich jetzt die Wintermüdigkeit von mir ab und bring euch auf den neusten Stand!
Ich schraube die Zeit einen ganzen Monat zurück (meine Güte, ist das wirklich schon so lange her?) und berichte euch von meinem Weihnachten in Israel.
Am 24. Dezember mussten Denise und ich noch bis zum Mittag arbeiten, machten uns danach aber auf den Weg nach Jerusalem, wo wir weitere deutsche Freiwillige treffen wollten. So schien in Tel Aviv noch strahlend die Sonne, war es in Jerusalem ganz schön kalt! Zusammen mit Lotte und Judith von der eKiR und einigen anderen gingen wir in ein schönes Restaurant und gönnten uns eine richtig leckere Lasagne - aber ohne Fleisch natürlich - denn es war ein kosheres Restaurant. Anschliessend trafen wir auf dem Weg in die Altstadt immer mehr deutsche und zusammen begaben wir uns zu der Erlöserkiche, in der am späten Abend ein Weihnachtsgottesdienst stattfand. Wir hatten ganz schön Glück und schafften es auch ohne Eintrittskarte und mit ein bisschen Volontärscharm in den Gottesdienst. Es war ein wirklich schöner und besinnlicher Gottesdienst auf deutsch, englisch, hebräisch und arabisch - anders als zu Hause, aber so darf es in diesem Jahr auch sein!
Um Mitternacht ging es dann richtig los - ca. 300 Leute (überwiegend Volontäre) pilgerten nach Bethlehem. Drei Stunden liefen wir bis in den Nachbarort: folgten einem großen Stern, der die Gruppe anführte, machten kleine Pausen und sangen Weihnachtslieder, bekamen zwischendurch Arak und Schokolade ausgegeben und erreichten dann den Geburtsort Jesus. In der Geburtskirche gab es noch eine kleine Andacht und wir sangen 'O du fröhliche'. So außergeöhnlich habe ich Weihnachten wohl noch nie gefeiert und sicher können nicht viele behaupten heilig Abend in Bethlehem gewesen zu sein.
Die Rückreise nach Tel Aviv war unheimlich lang und als wir dann um halb 8 morgens zu Hause angekommen sind, war ich wohl noch nie so froh mein Bett gesehen zu haben.
Es ist schon komisch gewesen Weihnachten in einem Land zu feiern, das diesen Feiertag fast vollkommen ignoriert und dennoch hat der eigentliche Grund wieso wir Weihnachtenfeiern hier seinen Ursprung. Umso schöner war es dann zu sehen, dass das christliche Viertel in der Altstadt und Bethlehem mit Lichtern geschmückt war und hier sehr viele Christen unterwegs waren, die Weihnachten feierten!
auf gehts in die Altstadt von Jerusalem!

pilgern nach Bethlehem und zwischendurch ein paar Weihnachtslieder
...fast sind wir da!
ich weiß es ist unscharf - aber - ein riesiger Weihnachtsbaum und im Hintergrund die Geburtskirche!
Den zweiten Weihnachtstag verbrachte ich ganz gemütlich in der WG mit meinen Mitbewohnern, wir bestellten uns eine Pizza im Laden des Vertrauens gegenüber und schon vermisste ich das festliche Weihnachtsessen zu Hause nur noch halb so sehr. Natürlich skypte ich auch mit meinen Lieben zu Hause.

Das ALLERBESTE Weihnachtsgeschenk bekam ich aber am 2. Weihnachtstag! Der passenden Blogeintrag folgt... (ich will euch ja nicht völlig überfordern nach dieser langen Lesepause ;-) )

Mittwoch, 25. Dezember 2013

Merry Christmas

Ein frohes Fest und wunderbare Feiertage wünsche ich euch allen!
Egal wo ihr gerade seid - in der geliebten Heimat bei der Familie oder am anderen Ende der Welt.
Rutscht gut in das Jahr 2014, dann können wir sagen: 'Dieses Jahr sehen wir uns schon wieder!'
Ich denk an euch! :-)


Die Geschichte von unserer großen Liebe Klaus Knecht (siehe unten) und wie Denise und ich die Feiertage im Heiligen Land verbrachten gibt es dann in den nächsten Tagen! 
 
 

Samstag, 7. Dezember 2013

hakol beseder!


Ja, mein Blog ist ein wenig eingeschlafen, ich würde sagen die Wintermüdigkeit hat auch ihn überfallen. Das liegt zum größten Teil aber daran, dass sich hier der Alltag breit gemacht hat. Alles schöne neue aufregende vom Anfang ist nun Gewohnheit geworden. Auf der einen Seite ist das ein schönes Gefühl, doch trägt dies auch dazu bei, dass die Zeit noch viel schneller davon rennt!

Was die Arbeit im Kfar betrifft, so gibt es keine interessanten Neuigkeiten. Wir stehen immer noch jeden Morgen auf und verbringen den Tag mit den Friends. Einige Male musste ich auf der Safari aushelfen, da momentan ziemlicher Personalmangel herrscht. Aber diese Abwechselung war unheimlich cool! Man arbeitet auf der Safari nämlich auch außerhalb des Kfars und fährt mit 3-4 Friends dorthin, um den Streichelzoo zu säubern - das heißt Laub zusammen fegen, Ställe säubern, Ponys putzen. Eine neue Herausforderung für mich und meine wahnsinnige Vorliebe für Pferde (an dieser Stelle darf herzlich gelacht werden). Trotzdem hatte ich dort viel Spaß und habe dafür nach der geschafften Arbeit die anderen Tiere bestaunt - Giraffen, Elefanten, Krokodile und und und..
In der letzten Woche wurde im Land Chanukka (Lichterfest) gefeiert und im Kfar wurden überall Chanukka-Songs gespielt, Sufganiot (sowas wie Berliner) in Mengen verschlungen und jeden Tag wurde eine weitere Kerze der Menora angezündet. Da haben Denise und ich es uns nicht nehmen lassen Weihnukka zu feiern! 
Sufgania und Latkes! -unser Weihnukka-festmahl!
Auch wenn die Arbeit die Oberhand gewinnt, heißt es nicht, dass wir nichts mehr erleben!
So haben wir vor ein paar Wochen unsere Mitfreiwilligen Malin und Roman in Kiryat Tivon, was in der Nähe von Haifa liegt, besucht und dort Malins Geburtstag gefeiert. Die anderen deutschen Freiwilligen, die zusammen mit Malin und Roman arbeiten sind unheimlich tolle Menschen, mit denen wir uns auch wirklich gut verstanden haben. Das ausgelassene Wochenende mit toller Gesellschaft, Zwiebelkuchen, Schokosoufflé und Wein habe ich sehr genossen! Das Wochenende darauf haben wir dafür einige der Freiwilligen bei uns aufgenommen und ihnen Ramat HaSharon gezeigt.

An dem besagten Wochenende in Kiryat Tivon haben wir samstags einen Abstecher nach Nazareth gemacht. Die kleine arabische Stadt liegt auf einem Berg und ist von vielen arabisch-christlichen Leuten bewohnt. Interessant war vor allem die Verkündigsbasilika, in der laut der Bibel Maria der Erzengel Gabriel erschienen sein soll. Eine riesige Kirche geschmückt mit vielen Bildern aus verschiedenen Ländern, die alle ihre Version der biblischen Geschichte zeigen. Weitere Bilder kann man auch im Vorgarten der Kirche betrachten. Wirklich sehenswert! Wir schlenderten noch durch die Altstadt, kauften Postkarten und gönnten uns eine Falafel, bis wir schliesslich den 6 STUNDEN LANGEN Heimweg angetreten sind - ja, Israel vor Shabbat ist balagan (hebr. Chaos), aber Israel nach dem Shabbat ist balagan mal 723647324 auf den Straßen!
die Basilika von Außen
Gemälde aus der ganzen Welt



Marktplatz in der Altstadt Nazareths

Und sonst so? Denise und ich haben die letzten sonnigen und warmen Tage in Tel Aviv genossen, doch seit Mittwoch hat auch uns der israelische Winter erreicht. Es regnet nun in strömen und alles erinnert so schön an Wuppertal ;-) Es ist auch fast kalt bei 15 Grad und das Einmuckeln in die Decke und der warme Tee macht endlich Sinn! In unserer WG geben wir unser bestes ein wenig Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen. Es hängt nun eine Lichterkette in unserem Zimmer und ich habe einen Adventskalender für alle WG-Mitbewohner gebastelt. Von den besten Großeltern dieser Erde habe ich auch einen Adventskalender bekommen und ganz viel Weihnachtsschoki - und Gebäck! Und morgen kommen die übrigen eKiR-Freiwilligen zu uns und wir feiern gemeinsam Advent mit Wichtelgeschenken und Plätzchen!
Seht ihr, hakol beseder! (alles in Ordnung)


Tel Aviv!
Bis Bald! Ich lass euch diesmal auch nicht allzu lange warten ;-)