'Jesus, I'm not going to be one of those people who sits around talking about what they're gonna do. I'm just going to do it.' - John Green

Samstag, 12. April 2014

2. Rundbrief

März 2014

Shalom liebe Familie und Freunde,
Shalom liebe Bekannte und Interessierte,

auf Grund einiger technischer Probleme meines Laptops, kommt mein zweiter Rundbrief mit
ein wenig Verspätung, aber dennoch mit viel Liebe und Freude. Ich hoffe, dass es euch in
der Heimat gut geht und ihr die ersten richtigen Sonnenstrahlen genießt. Nach einem wirklich
kurzen Winter, ist bei uns schon etwas länger der Frühling angekommen. Alles blüht in
verschiedenen Farben, wir packen so langsam unsere kurzen Klamotten wieder aus und der
Strand füllt sich von Tag zu Tag.

In meinem letzten Rundbrief habe ich euch von meiner Arbeit hier in Israel erzählt und euch
versucht, meinen Alltag etwas näher zu bringen. Heute geht es um das wunderbare und
spannende Land Israel an sich.
Obwohl dieses Land nicht groß ist - kleine Orientierungshilfe: es ist von der Fläche ungefähr
so groß wie das Bundesland Hessen - hat es so unglaublich viel zu bieten, dass es mir
schwer fällt einen Anfang zu finden.

Israel, das heilige Land, hat eine sagenhaft lange und bedeutende Geschichte, doch existiert
es als Staat Israel erst seit 1948. Das Land befindet sich im Nahen Osten und grenzt im
Norden an Syrien und den Libanon, im Osten an Jordanien und das Westjordanland, im
Westen an Ägypten und den Gazastreifen. Ganze vier verschiedene Gewässer grenzen an
bzw. befinden sich in Israel - das Mittelmeer, das rote Meer, das tote Meer und der See
Genezareth.
Die Landschaft ist wahnsinnig vielfältig und überrascht mich jedes Mal aufs Neue. So findet
man im Norden von Israel die Golan Höhen. Hier gibt es richtige Gebirgslandschaften, die
sich wunderbar zum Wandern eignen. Auf dem Berg Hermon (2814 m) liegt im Winter sogar
Schnee. Jetzt im Frühling ist es in den Golan Höhen besonders schön, denn alles ist grün
und diverse Blumen fangen an zu blühen. Eine Vielzahl von Tieren lässt sich dort Blicken,
die man teilweise nur dort sehen kann. Letzten Monat war ich zusammen mit drei weiteren
Freiwilligen in einem Nationalpark (Yehudia-Park) in den unteren Golan Höhen wandern und
ich habe es richtig genossen. Es war sehr abenteuerlich, denn wir sind durch einen Fluss,
der uns bis zum Bauch reichte, gewandert, steile Wege auf und ab, und schließlich bei
einem Wasserfall gelandet.
In Zentrum des Landes befindet sich der Großraum Tel Aviv, in dem auch ich wohne. Tel
Aviv wird oft scherzhaft 'die Blase' genannt, weil man kaum etwas von Unruhen im übrigen
Land mitbekommt und weil es einfach so anders ist. Das kann ich nur bestätigen. Tel Aviv
ist... ach wie soll ich Tel Aviv bloß beschreiben. Ich liebe diese Stadt! Hier kommt so viel
zusammen - riesige Hochhäuser und Hotels, die die Skyline von Tel Aviv bilden, neben
kleinen heruntergekommenen Gebäuden. Riesige Shoppingmalls mit aller Welt Läden wie
H&M und Zara, neben kleinen Kiosken, billige Klamottenläden und Gemüse und
Obstständen. Wunderschöne Gassen gefüllt mit kleinen Boutiquen und Kunst, neben
abermals übermalten Graffitis. Und eben diese Graffitis, die überall in der Stadt zu finden
sind, machen die Stadt für mich so charmant. Tel Aviv ist natürlich auch vom Tourismus
geprägt - vor allem an den Stränden - und dennoch lernt man viele einheimische Ecken
kennen. Es gibt zahlreiche Restaurants, Bars und Cafes mit Liebe zum Detail und eins sieht
einladender als das andere aus. Bräuchte man doch nur nicht immer das nötige Kleingeld.
Ein paar Schritte weiter in den Süden und man findet die wunderschöne arabische Altstadt
von Jaffa. Mir gefällt hier vor allem der Hafen. Und die Menschen – „multikulti“ - alle
Religionen, Kulturen und Nationen sind irgendwo vertreten.

                             
                              Graffiti am Hafen von Jaffa                                 Skyline von Tel Aviv

Eine Stunde weiter in den Süden und man gelangt in die heilige Stadt Jerusalem. Jerusalem,
die Stadt, die die drei Weltreligionen vereint. In kaum einer Stadt spürt man so viel Religion,
wie hier. Die Altstadt ist in verschiedene Viertel aufgeteilt - das christliche Viertel, das
arabische Viertel, das armenische Viertel und das jüdische Viertel. In den Vierteln verspürt
man die jeweilige Religion besonders. Die Altstadt ist nämlich voll von Moscheen,
Synagogen, Kirchen und anderen Sehenswürdigkeiten, die Schauplätze diverser biblischer
Geschichten sind - unter anderem auch die Grabeskirche, in der Jesus begraben worden
sein soll. Unweigerlich sieht man sich mit der Frage konfrontiert, ob Jesus tatsächlich dort
gewesen sein sollte. Der Tourismus in der Altstadt macht es einem dann doch sehr schwer
sich das vorzustellen. Viele Pilgergruppen befinden sich tagtäglich und vor allem am
Wochenende in Jerusalem. Jerusalem ist so mystisch und beinhaltet so viel Geschichte,
dass ich mich nach jedem weiteren Besuch in der Stadt mit so vielen Fragen
auseinandersetze und die Neugierde verspüre, mehr über sie und die Geschichten, die sich
dort abgespielt haben sollen, herauszufinden.


 
    Die Altstadt von Jerusalem - Blick vom Ölberg
                                                                      
Weiter südlich von Jerusalem beginnt schon bald die Negev Wüste, welche mehr als die
Hälfte des Landes ausmacht. Im Norden der Negev Wüste befindet sich das Tote Meer. Das
Tote Meer ist bekannt für seinen hohen Salzgehalt - kaum vorzustellen, aber im Mittelmeer
beträgt das Salzgehalt 3% und im Toten Meer 33%. Das ist auch der Grund, wieso man im
Toten Meer nicht untergeht, sondern auf der Oberfläche treibt. Als ich das erste Mal im Toten
Meer auf dem Wasser getrieben bin, fand ich dieses Gefühl so ungewohnt und eigenartig.
Man kann gar keine Schwimmbewegungen machen, da die Füße aus dem Wasser ragen.
Das Meer ist das perfekte Gewässer um zu entspannen, denn man muss sich nicht
anstrengen, um über Wasser zu bleiben. Doch solltet ihr jemals die Gelegenheit bekommen
im Toten Meer zu treiben - und ich sage euch, dass sich dieses Erlebnis lohnt! - dann
probiert ja keinen Tropfen. Es ist absolut widerlich.
Die Landschaft ist auch hier einfach atemberaubend. Das komplette Gegenteil von dem
israelischen Norden. Hier ist alles kahl, steinig, bergig und erinnert an eine Mondlandschaft.
Man kann Kamele und Gazellen sehen, sieht einige Palmenplantagen und kommt sich vor
wie in einem anderen Land, dabei ist man doch nur zwei ein halb Stunden von zu Hause
weg. Weiter südlich in der Negev Wüste war ich noch nicht und deshalb kann ich euch
diesmal noch nichts davon berichten, aber dieses Ziel steht noch auf meiner Liste.

Erstes Schweben im Toten Meer

     Blick auf die Wüste und das Tote Meer

Im Osten lieg das Westjordanland, oder auch autonome Palästina. Auf der palästinensischen
Seite befinden sich ebenfalls wichtige religiöse Orte wie zum Beispiel Bethlehem und
Hebron, aber auch Ramallah, wo die Autonomie Behörde ihren Sitz hat. Eine Reise nach
Palästina ist nur mit gültigem Reisepass und Visum möglich. Man gelangt nämlich nur über
bestimmte Grenzkontrollen, so genannte Checkpoints, nach Palästina, da eine Mauer das
Land von Israel abgrenzt. Nach einer Passkontrolle, die bis jetzt bei mir noch nicht
spektakulär ausgefallen ist, kann man sich als Tourist recht frei im Land bewegen. Man sollte
sich aber darüber im Klaren sein, dass man sich nun in einem überwiegend von Arabern
bevölkerten Land befindet und sich deswegen zum Beispiel angemessen kleiden. Der
Lebensstandart in Palästina ist auf Grund des Konfliktes im Land niedrig. Hier ist alles ein
wenig chaotischer und enger, alles ist nun auf Arabisch und man versucht seinen
hebräischen Wortschatz so gut wie gar nicht zu benutzen, um niemanden zu nahe zu treten.
Vor einigen Monaten war ich mit Denise, meiner Mitbewohnerin und zwei weiteren
Freiwilligen in Ramallah, in einem neu eröffneten Hostel. Wir wurden super herzlich
empfangen, hatten es dort sehr gemütlich und genossen eine interessante Stadtführung. Der
Tourismus kommt erst in den letzten Jahren nach Palästina. Die Araber dort freuen sich über
interessierte Menschen und ich habe immer wieder aufs Neue pure Gastfreundschaft
erfahren.
Die Mauer, die Israel von Palästina teilt

So erging es auch mir und meinem Freund Olli, als wir vor ein paar Wochen in Hebron
waren. Hebron ist eine vom Konflikt geprägte Stadt. Denn hier befindet sich mitten in
Palästina eine jüdische Siedlung. Es gibt einen jüdischen und einen arabischen Teil von
Hebron und die jeweiligen Gebiete sind für die anderen nicht zugänglich. So leben doch nur
ca. 450 Juden in Hebron, ist dafür eine starke militärische Präsenz vorhanden, denn immer
wieder kommt es hier zu Ausschreitungen, da beide Parteien so eng beieinander leben.
Als wir in Hebron waren, hat es in strömen geregnet, und dennoch hat uns nach den ersten
Sekunden in der Stadt ein netter Herr angesprochen, der uns Hebron zeigen und erklären
wollte. Voller Geduld erzählte er uns viele interessante Dinge, die wir ohne ihn sicher nicht
so begriffen hätten und er war uns nicht böse, als wir die Tour auf Grund des Wetters
absagten. Nein, er bot uns sogar an bei ihm und seiner Familie zu Hause unter zu kommen,
falls wir es nicht mehr nach Hause schaffen sollten und bot mir auch an, bei einem nächsten
Trip nach Hebron erneut auszuhelfen. Doch wir erreichten noch rechtzeitig den Bus nach
Hause.

All diese Vielfältigkeit steckt in einem Land, das nur von ca. 8 Millionen Menschen bewohnt
wird. Das Besondere dabei ist, dass es das einzige Land ist, in dem die Juden eine Mehrheit
darstellen.
Doch nicht automatisch alle Juden sind gleich. Sie unterscheiden sich in ultraorthodoxe
Juden, die man schon an ihrer dezenten, schwarz-weißen Kleidung und Schläfenlocken
erkennt, in orthodoxe Juden, die oftmals eine Kippa tragen oder andere kleine Merkmale die
Zugehörigkeit erkenntlich machen und säkulare Juden. So sieht man nicht nur im Alltag
überall Menschen, denen man ihre Religion am Äußeren ansehen kann, nein, man spürt an
allen Enden und Ecken, dass dieses Land religiös geprägt ist, ganz anders als zum Beispiel
Deutschland, wo Staat und Religion getrennt sind. Viele Dinge waren deshalb für mich am
Anfang sehr ungewohnt. So beginnt das Wochenende (Shabbat) hier am Freitagnachmittag
bei Sonnenuntergang und endet am Samstagnachmittag. In diesem Zeitraum sind so gut wie
alle Geschäfte, Supermärkte und öffentliche Einrichtungen geschlossen. Ultraorthodoxe
Haushalte benutzen am Shabbat keinen Strom und fahren nicht mit dem Auto. Es fahren
deswegen auch keine Busse mehr und nur einige Sheruts (arabische Taxen) fahren in
vereinzelte Städte. Für mich heißt das: entweder man bleibt das Wochenende komplett zu
Hause oder aber man verreist vollständig. Dazu kommt auch, dass ich, anders als ihr
Daheim-Gebliebenen, am Sonntag wieder zur Arbeit gehen muss.
Ein weiteres Beispiel für die Präsenz der Religion ist das koschere Essen. Das Judentum
schreibt vor, dass Fleisch - und Milchprodukte nicht zusammen gegessen bzw. serviert
werden dürfen. Manche sehen es strenger und haben sogar verschiedene Kühlschränke für
Fleisch - und Milchprodukte. Dies ist jedoch von Familie zu Familie verschieden. Aus diesem
Grund gibt es überwiegend koschere Restaurants in Israel, wo man keine Fleisch - und
Milchprodukte zusammen auf seinem Teller finden wird. Eine Pizza Salami ist damit
undenkbar! Es gibt auch viele Lebensmittel im Supermarkt, die den Aufdruck 'Parve' haben.
Das besagt, dass dieses Lebensmittel koscher ist und ohne bedenken gegessen, bzw. mit
einer der beiden Gruppen zubereitet werden kann. Fisch ist zum Beispiel 'Parve'. Es klingt
vielleicht schwieriger als es ist, aber mittlerweile fällt mir schon gar nicht mehr auf, dass mein
Gericht koscher ist. Und hat man doch mal Hunger auf einen Cheeseburger, so kennt man
mittlerweile die richtigen Orte ;-)

Besonders an Israel sind außerdem die zahlreichen jüdischen Feiertage. Es ist irgendwie
schon eigenartig in einem Land zu leben, in dem Weihnachten und Ostern keinerlei
Bedeutung haben. Dafür gibt es hier andere interessante und traditionsreiche Feiertage, die
alle ein Anlass für die Familie sind, zusammen zu kommen und gemeinsam zu feiern. Dabei
spielen bestimmte Rituale und Mahlzeiten eine wichtige Rolle.
Ganz am Anfang meines Jahres habe ich 'Rosh Hashana', das jüdische Neujahrsfest
miterlebt. Quasi Silvester ohne Feuerwerk im September, ein interessantes Erlebnis. Letzte
Woche wurde in Israel Purim, das jüdische Karnevalsfest gefeiert. Alle verkleiden sich und
feiern gemeinsam, die Befreiung der Juden aus Persien. Eine weitere Befreiung der Juden
wird im April gefeiert. Diesmal geht es jedoch um die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten
und eine Woche lang dürfen keine gesäuerten Lebensmittel gegessen werden. Aus diesem
Grund wird kein gesäuertes Brot oder ähnliches verkauft und auch die Alkoholabteilung im
Supermarkt wird mit Vorhängen abgedeckt. Ein weiters Beispiel, wie sehr die Religion in
diesem Land präsent ist. Dies sind nur einige der Feiertage, die ich schon miterlebt habe
bzw. noch miterleben darf.

Das Militär spielt im Land eine große und wichtige Rolle. Noch nie habe ich so viele Soldaten
gesehen, die ihr Gewehr wie Frauen ihre Handtasche mit sich herum tragen. Und noch nie
habe ich mich eine Sekunde lang dadurch unsicher gefühlt.
Klar, am Anfang ist es sehr ungewohnt und man kann seinen Blick kaum von diesen
Gewehren abwenden. Es dauert auch eine Weile bis man sich daran gewöhnt, dass man an
jeder großen Busstation und Shoppingmall seine Tasche vorzeigen muss, damit der Inhalt
kontrolliert werden kann. Aber in Israel steht die Sicherheit des Landes nun mal an erster
Stelle. Das ist auch der Grund, wieso jeder Jugendlicher Militärdienst leisten muss. Sobald
sie die Schule abgeschlossen haben, gehen Jungs für 3 Jahre und Mädchen für 2 Jahre in
die Armee. Es gibt kaum eine Möglichkeit diesen Dienst zu umgehen, außer man ist
ultraorthodoxer Jude, psychisch Krank oder als Mädchen bereits verheiratet. Überall sehe
ich in meinem Alltag Jugendliche in meinem Alter, die ihren Wehrdienst absolvieren. Für
mich war dies am Anfang auch sehr schwer nachzuvollziehen, vor allem, weil das Militär in
Deutschland eine so geringe Rolle spielt. Aber ich habe im Laufe der Zeit versucht zu
verstehen, dass Israel sich schützen möchte und ein Land ist, wo Krieg allgegenwärtig ist.
Wenn man nicht hier lebt, so ist es schwer nachzuvollziehen.
Das gleiche gilt auch für den Israel-Palästina Konflikt. Eigentlich gibt es keine Möglichkeit im
Land sich nicht damit zu beschäftigen. Alle Gespräche, egal ob mit Juden, Arabern oder
Touristen, enden in einer Diskussion über den Konflikt. Man sieht viel mit eigenen Augen,
man sieht aber auch doppelt so viel einfach nicht. Ich habe für mich entschieden nicht über
den Konflikt zu schreiben, denn ich bin der Meinung, dass es mir nicht erlaubt ist ein Urteil zu
bilden, denn ich bin nur ein kurzes Jahr in diesem Land, das seit vielen vielen Jahren von
diesem komplizierten und tief verwurzelten Konflikt geprägt wird.
Ich habe mich hier noch zu keiner Zeit unsicher gefühlt, im Gegenteil. Wenn ich mich nicht
selbstständig auf den Neusten Stand bringen würde, bekäme ich nicht mit, wie die Situation
aktuell aussieht.
Und obwohl Israel ein Land ist, in dem Krieg allgegenwärtig ist, spürt man dies innerhalb der
Gesellschaft kaum. Die Einheimischen leben ihr Leben in vollen Zügen, besetzen zu jeder
Tages – und Nachtzeit Cafés und Bars, und sind sich für keine Party zu schade. Ich habe
selten so viel Offenheit und Gastfreundschaft erfahren, wie hier. Die Leute sprechen dich auf
der Straße an, einfach nur weil sie an einem unbeschwerten Gespräch interessiert sind und
bewundern einen immer wieder für die Arbeit, die ich hier vollbringe. Und dann bin ich wieder
Dankbar dafür, dass ich diese Erfahrung machen darf, die mir keiner mehr nehmen kann.

Ich bin nun am Ende meines Rundbriefes angekommen und ich hoffe, dass ich euch einen
kleinen, aber feinen persönlichen Eindruck von Israel vermitteln konnte. Eigentlich gibt es
noch so viel mehr über das Land zu sagen, aber es gibt glücklicherweise noch einen dritten
Rundbrief. Mitte April geht es aber erst einmal für mich und Denise nach Jordanien, ein
weiteres Land, das ich erkunden werde. Ich bin unheimlich gespannt.
Es gibt so viele Menschen, denen ich unendlich Dankbar bin, denn ohne sie würde ich jetzt
nicht hier sitzen und über meine Eindrücke schreiben können. Ich danke den Leuten, die
mich finanziell unterstützen, und ich danke den Leuten, die ihren Glauben in mich gesetzt
haben und mich auf diese Weise unterstützen. Außerdem danke ich dem Cevi Wuppertal-
Langerfeld und meiner Organisation, der evangelischen Kirche im Rheinland – Danke!

Bis zum nächsten Rundbrief und einen lieben Gruß in die Heimat,
Laura Wiggers

Samstag, 25. Januar 2014

Besuch vom Feinsten!

Am zweiten Weihnachtstag bekam die Denise besuch von einer Freundin aus Deutschland und weil mir sonst so schrecklich langweilig zu Hause gewesen wäre, begleitete ich sie zum Flughafen. Und wer stand da auf einmal vor mir? Meine Schwester Kimberly! Ich bin aus allen Wolken gefallen, hab vor Freude geheult und geflucht, dass sich hinter meinem Rücken alle gegen mich verschwören und dann wieder vor Freude gelacht! Meine Großeltern schenkten tatsächlich sowohl Kimi, als auch mir eine gemeinsame Woche in Israel - Danke, dafür werde ich euch ewig dankbar sein! Zum Glück hatte ich mir doch noch kurzfristig ein paar Tage Urlaub genommen und konnte die Zeit mit meiner Schwester also in vollen Zügen geniessen.
Wir fuhren zusammen mit Denise und ihrem Besuch für zwei Tage nach Jerusalem und klapperten dort natürlich alle Sehenswürdigkeiten ab, so wie sich das gehört. Eine völlig überfüllte Altstadt, überteuerte (Tiefkühl? Man weiß es nicht) Pizza am Shabbat-Abend, Frühstück mit Aussicht auf den Felsendom, viel zu schönes Wetter für Ende Dezember, vertraute und lang vermisste Diskussionen über Gott und die Welt - im wörtlichen Sinne, der erste Besuch an der Klagemauer, harte Verhandlungen auf dem Basar und ein traumhafter Ausblick auf Jerusalem bei Nacht vom Ölberg aus. Immer wieder schön Jerusalem neu zu entdecken.
Meine Schwester! :)
der Beweis - in Jerusalem lag Schnee
Kim und die Mauern der Altstadt
Die Altstadt bei Nacht


 Zu einem Besuch in Israel gehört natürlich auch ein Abstecher zum Toten Meer und so fuhren wir für einen Tagesauflug nach En Gedi, damit Kimberly auch die Erfahrung macht im Wasser zu schweben. Leider war es ein bisschen bewölkt, aber das hielt uns nicht davon ab ins Wasser zu gehen. Auch dieses Mal war es ein unglaubliches und unbeschreibliches Gefühl im Toten Meer zu baden - und das im Winter.

zum ersten Mal schweben!

Die restlichen Tage verbrachten wir in Tel Aviv und genossen die gemeinsame Zeit. Ich zeigte Kimberly all die schönen Orte, die ich in Tel Aviv bereits in mein Herz geschlossen habe. Wir erkundeten den Carmel Market, tranken literweise Jumex-Mangonektar (eindeutig der Beste!) und feierten Denises Geburtstag mit einem super leckeren asiatischem Essen. Wir shoppten im Azrieli Center, feierten Silvester am Strand und gaben in der Nacht den Kampf um ein Taxi nicht auf, Kimberly ging auch noch im Mittelmeer schwimmen (ich war zu feige bei 15 Grad) und wir schlenderten durch die wunderschöne Altstadt von Jaffa. Wir gingen viel zu oft gut und lecker essen, kochten aber trotzdem zwischendurch, lachten und quatschten stundenlang. Danke Kimi für die wunderschöne Zeit, bis ganz bald, und das vielleicht früher als wir denken? :*

Winterschlaf

Ja, ich gestehe, dass mein Blog dem Winterschlaf verfallen ist und es deswegen lange ruhig war. Aber passend zu den 22 Grad draußen schüttel ich jetzt die Wintermüdigkeit von mir ab und bring euch auf den neusten Stand!
Ich schraube die Zeit einen ganzen Monat zurück (meine Güte, ist das wirklich schon so lange her?) und berichte euch von meinem Weihnachten in Israel.
Am 24. Dezember mussten Denise und ich noch bis zum Mittag arbeiten, machten uns danach aber auf den Weg nach Jerusalem, wo wir weitere deutsche Freiwillige treffen wollten. So schien in Tel Aviv noch strahlend die Sonne, war es in Jerusalem ganz schön kalt! Zusammen mit Lotte und Judith von der eKiR und einigen anderen gingen wir in ein schönes Restaurant und gönnten uns eine richtig leckere Lasagne - aber ohne Fleisch natürlich - denn es war ein kosheres Restaurant. Anschliessend trafen wir auf dem Weg in die Altstadt immer mehr deutsche und zusammen begaben wir uns zu der Erlöserkiche, in der am späten Abend ein Weihnachtsgottesdienst stattfand. Wir hatten ganz schön Glück und schafften es auch ohne Eintrittskarte und mit ein bisschen Volontärscharm in den Gottesdienst. Es war ein wirklich schöner und besinnlicher Gottesdienst auf deutsch, englisch, hebräisch und arabisch - anders als zu Hause, aber so darf es in diesem Jahr auch sein!
Um Mitternacht ging es dann richtig los - ca. 300 Leute (überwiegend Volontäre) pilgerten nach Bethlehem. Drei Stunden liefen wir bis in den Nachbarort: folgten einem großen Stern, der die Gruppe anführte, machten kleine Pausen und sangen Weihnachtslieder, bekamen zwischendurch Arak und Schokolade ausgegeben und erreichten dann den Geburtsort Jesus. In der Geburtskirche gab es noch eine kleine Andacht und wir sangen 'O du fröhliche'. So außergeöhnlich habe ich Weihnachten wohl noch nie gefeiert und sicher können nicht viele behaupten heilig Abend in Bethlehem gewesen zu sein.
Die Rückreise nach Tel Aviv war unheimlich lang und als wir dann um halb 8 morgens zu Hause angekommen sind, war ich wohl noch nie so froh mein Bett gesehen zu haben.
Es ist schon komisch gewesen Weihnachten in einem Land zu feiern, das diesen Feiertag fast vollkommen ignoriert und dennoch hat der eigentliche Grund wieso wir Weihnachtenfeiern hier seinen Ursprung. Umso schöner war es dann zu sehen, dass das christliche Viertel in der Altstadt und Bethlehem mit Lichtern geschmückt war und hier sehr viele Christen unterwegs waren, die Weihnachten feierten!
auf gehts in die Altstadt von Jerusalem!

pilgern nach Bethlehem und zwischendurch ein paar Weihnachtslieder
...fast sind wir da!
ich weiß es ist unscharf - aber - ein riesiger Weihnachtsbaum und im Hintergrund die Geburtskirche!
Den zweiten Weihnachtstag verbrachte ich ganz gemütlich in der WG mit meinen Mitbewohnern, wir bestellten uns eine Pizza im Laden des Vertrauens gegenüber und schon vermisste ich das festliche Weihnachtsessen zu Hause nur noch halb so sehr. Natürlich skypte ich auch mit meinen Lieben zu Hause.

Das ALLERBESTE Weihnachtsgeschenk bekam ich aber am 2. Weihnachtstag! Der passenden Blogeintrag folgt... (ich will euch ja nicht völlig überfordern nach dieser langen Lesepause ;-) )

Mittwoch, 25. Dezember 2013

Merry Christmas

Ein frohes Fest und wunderbare Feiertage wünsche ich euch allen!
Egal wo ihr gerade seid - in der geliebten Heimat bei der Familie oder am anderen Ende der Welt.
Rutscht gut in das Jahr 2014, dann können wir sagen: 'Dieses Jahr sehen wir uns schon wieder!'
Ich denk an euch! :-)


Die Geschichte von unserer großen Liebe Klaus Knecht (siehe unten) und wie Denise und ich die Feiertage im Heiligen Land verbrachten gibt es dann in den nächsten Tagen! 
 
 

Samstag, 7. Dezember 2013

hakol beseder!


Ja, mein Blog ist ein wenig eingeschlafen, ich würde sagen die Wintermüdigkeit hat auch ihn überfallen. Das liegt zum größten Teil aber daran, dass sich hier der Alltag breit gemacht hat. Alles schöne neue aufregende vom Anfang ist nun Gewohnheit geworden. Auf der einen Seite ist das ein schönes Gefühl, doch trägt dies auch dazu bei, dass die Zeit noch viel schneller davon rennt!

Was die Arbeit im Kfar betrifft, so gibt es keine interessanten Neuigkeiten. Wir stehen immer noch jeden Morgen auf und verbringen den Tag mit den Friends. Einige Male musste ich auf der Safari aushelfen, da momentan ziemlicher Personalmangel herrscht. Aber diese Abwechselung war unheimlich cool! Man arbeitet auf der Safari nämlich auch außerhalb des Kfars und fährt mit 3-4 Friends dorthin, um den Streichelzoo zu säubern - das heißt Laub zusammen fegen, Ställe säubern, Ponys putzen. Eine neue Herausforderung für mich und meine wahnsinnige Vorliebe für Pferde (an dieser Stelle darf herzlich gelacht werden). Trotzdem hatte ich dort viel Spaß und habe dafür nach der geschafften Arbeit die anderen Tiere bestaunt - Giraffen, Elefanten, Krokodile und und und..
In der letzten Woche wurde im Land Chanukka (Lichterfest) gefeiert und im Kfar wurden überall Chanukka-Songs gespielt, Sufganiot (sowas wie Berliner) in Mengen verschlungen und jeden Tag wurde eine weitere Kerze der Menora angezündet. Da haben Denise und ich es uns nicht nehmen lassen Weihnukka zu feiern! 
Sufgania und Latkes! -unser Weihnukka-festmahl!
Auch wenn die Arbeit die Oberhand gewinnt, heißt es nicht, dass wir nichts mehr erleben!
So haben wir vor ein paar Wochen unsere Mitfreiwilligen Malin und Roman in Kiryat Tivon, was in der Nähe von Haifa liegt, besucht und dort Malins Geburtstag gefeiert. Die anderen deutschen Freiwilligen, die zusammen mit Malin und Roman arbeiten sind unheimlich tolle Menschen, mit denen wir uns auch wirklich gut verstanden haben. Das ausgelassene Wochenende mit toller Gesellschaft, Zwiebelkuchen, Schokosoufflé und Wein habe ich sehr genossen! Das Wochenende darauf haben wir dafür einige der Freiwilligen bei uns aufgenommen und ihnen Ramat HaSharon gezeigt.

An dem besagten Wochenende in Kiryat Tivon haben wir samstags einen Abstecher nach Nazareth gemacht. Die kleine arabische Stadt liegt auf einem Berg und ist von vielen arabisch-christlichen Leuten bewohnt. Interessant war vor allem die Verkündigsbasilika, in der laut der Bibel Maria der Erzengel Gabriel erschienen sein soll. Eine riesige Kirche geschmückt mit vielen Bildern aus verschiedenen Ländern, die alle ihre Version der biblischen Geschichte zeigen. Weitere Bilder kann man auch im Vorgarten der Kirche betrachten. Wirklich sehenswert! Wir schlenderten noch durch die Altstadt, kauften Postkarten und gönnten uns eine Falafel, bis wir schliesslich den 6 STUNDEN LANGEN Heimweg angetreten sind - ja, Israel vor Shabbat ist balagan (hebr. Chaos), aber Israel nach dem Shabbat ist balagan mal 723647324 auf den Straßen!
die Basilika von Außen
Gemälde aus der ganzen Welt



Marktplatz in der Altstadt Nazareths

Und sonst so? Denise und ich haben die letzten sonnigen und warmen Tage in Tel Aviv genossen, doch seit Mittwoch hat auch uns der israelische Winter erreicht. Es regnet nun in strömen und alles erinnert so schön an Wuppertal ;-) Es ist auch fast kalt bei 15 Grad und das Einmuckeln in die Decke und der warme Tee macht endlich Sinn! In unserer WG geben wir unser bestes ein wenig Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen. Es hängt nun eine Lichterkette in unserem Zimmer und ich habe einen Adventskalender für alle WG-Mitbewohner gebastelt. Von den besten Großeltern dieser Erde habe ich auch einen Adventskalender bekommen und ganz viel Weihnachtsschoki - und Gebäck! Und morgen kommen die übrigen eKiR-Freiwilligen zu uns und wir feiern gemeinsam Advent mit Wichtelgeschenken und Plätzchen!
Seht ihr, hakol beseder! (alles in Ordnung)


Tel Aviv!
Bis Bald! Ich lass euch diesmal auch nicht allzu lange warten ;-)

Samstag, 16. November 2013

1. Rundbrief


Freiwilliger Friedensdienst 2013-2014





Liebe Unterstützer, Liebe Volontäre, Liebe Freunde und Familie,

ich befinde mich nun seit zwei ein halb Monaten in Israel, meiner Heimat für ein Jahr, und frage mich wo die Zeit geblieben ist. Bin ich nicht gestern erst mit meinen sieben Mitvolontären in Tel Aviv am Flughafen angekommen? Und jetzt ist schon die Zeit für meinen ersten Rundbrief gekommen. 

Seit August habe ich schon unheimlich viele Eindrücke in Israel gewinnen können. Ich bin viel nach Jerusalem und zum Toten Meer gereist, habe interessante Menschen getroffen und Erfahrungen gemacht, die mir bis zu diesem Auslandsaufenthalt unbekannt waren. Darüber könnte ich euch jetzt in meinem Rundbrief erzählen, aber nein, das Thema wird meine Arbeit im Kfar Ofarim sein, denn dies ist der wesentliche Teil meines Lebens in Israel. 

Zusammen mit Denise, die ebenfalls mit meiner Entsendeorganisation der evangelischen Kirche im Rheinland nach Israel gelangt ist, lebe und arbeite ich zusammen. Wir wohnen in einer 5er-WG in Ramat HaSharon, eine Stadt an der nördlichen Grenze zu Tel Aviv. Die Wohnlage ist Ideal, denn wir wohnen an einer belebten Hauptstraße, die alles besitzt, was man zum Leben braucht: Supermärkte, Banken, Klamottengeschäfte, Cafes und Restaurants. Außerdem trennen uns nur 20 Minuten Fußweg von unserer Arbeitsstelle, die sich wiederum schon in Tel Aviv befindet. 

Das Kfar Ofarim, welches im Jahre 1988 von ALUT gegründet wurde, ist eine Wohn- und Betreuungseinrichtung für erwachsene Autisten. Die Autisten, welche zwischen 20 und 60 Jahre alt sind, werden im Kfar liebevoll ‚Friends‘ genannt, was ich auch in diesem Rundbrief beibehalten werde. Insgesamt verbringen täglich 101 Friends ihren Tag zusammen im Kfar, wobei davon 72 Friends in den Häusern der Einrichtung leben und die übrigen Friends so genannte Externis sind, die zu Hause leben. Es gibt insgesamt 8 Häuser, welche aber eigentlich Wohnbereiche sind, in denen 8 bis 9 Friends leben und von 2 bis 3 Guides betreut werden. Jeder Friend hat ein eigens Zimmer und teilt sich mit 2-3 Friends ein Badezimmer. Zu dem Wohnbereich gehört noch ein Couchbereich mit Fernseher, Essbereich und eine Küche, die aber für die Friends größten Teil nicht zugängig ist. 

Die Mitarbeiter des Kfars arbeiten in 3 unterschiedlichen Schichten – Frühschicht, Spätschicht und Nachtschicht. Ich bin für das Jahr in der Frühschicht beschäftigt und arbeite von Sonntag bis Donnerstag, da das Wochenende in Israel auf den Freitag und Samstag fällt. Mein Tag im Kfar beginnt um 7 Uhr in der Frühe. Mein Weg führt mich nach dem Einchecken in mein Haus, welches ‚Beit Verit‘ genannt wird. Dort leben 9 Friends, die ich zusammen mit einer sehr herzlichen Mitarbeiterin für den Tag herrichte. Das bedeutet, dass ich sie motiviere aufzustehen, sie gegebenenfalls dusche, ihnen helfe sich anständig die Zähne zu putzen und sich zu kleiden. Einige Friends können schon viel selbstständig und das Wecken funktioniert hier sehr schnell, andere stellen wiederum meine Geduld jeden Morgen auf die Probe. Da Israel aber insgesamt ein sehr guter Ort ist, an dem man lernt ein geduldiger Mensch zu werden, schaffe ich es doch jedes Mal aufs Neue mit meinem gebrochenen motivierenden hebräischen Worten, dass alle Friends für das Frühstück bereit sind. Zu meinen Aufgaben am Morgen gehört ebenfalls, dass ich das besagte Frühstück zubereite und die speziellen Vorlieben oder Diäten der Friends berücksichtige. Nachdem die Friends ihre Medizin bekommen haben, geht es dann um 8:30 in die verschiedenen Gruppen. 

Das Kfar bietet eine Vielfalt von Aktivitäten für die Friends. Es gibt zum einen Gruppen, die im Kfar bleiben und sich beispielsweise um den Garten kümmern, mit Keramik arbeiten, oder aber kleine Arbeiten erledigen, wie zum Beispiel Schrauben sortieren. Zum anderen gibt es aber auch Gruppen, die das Kfar verlassen und außerhalb arbeiten. Einige fahren zur Safari, andere zu Nokia oder zu anderen Arbeitscentern. Meine Gruppe fährt ebenfalls nach Außerhalb, nämlich in eine Grundschule im Nachbarort, wo es einen Kunstraum für die Friends gibt. Vor zwei Monaten hätte ich euch jetzt gesagt, dass ich in der Malgruppe bin, doch eigentlich ist diese Beschreibung nicht treffend. Es ist eine Kreativgruppe, die mit allmöglichen Materialien bastelt. Eigentlich arbeite ich in der Gruppe mit zwei Guides zusammen, doch findet momentan ein Wechsel statt, weswegen ich die letzten Wochen mit einem Guide, welcher mich unheimlich nett aufgenommen hat und mir vieles beibringt, zusammen die Friends betreut habe.  Je nach Wochentag fahren 6 bis 8 Friends mit einem Kleinbus in die Grundschule. Nach einer Morgenrunde mit Tee und der Vorstellung des heutigen Themas beginnen die Friends mit ihren Lieblingsbeschäftigungen. In den ersten Wochen waren wir sehr kreativ, da der September voll von Feiertagen ist und die Friends somit feiertagstypische Dinge anfertigen konnten. Es wird gemalt – egal ob mit Wachsmalstiften, Buntstiften oder Wasserfarben, mit Gips und Ton gebastelt oder Collagen geklebt. Eines meiner kleinen Highlights war das Drucken mit Linolplatten, da es mich an meinen Kunstunterricht in der Schule erinnerte und nicht nur den Friends, sondern auch mir total viel Spaß gemacht hat. 



Ich habe schon mit einigen Friends in der Gruppe zusammen gearbeitet, wobei meine Hauptaufgabe darin besteht sie zu motivieren. Ich gebe ihnen verschiedene Farben, damit das Bild nicht zu eintönig wird, helfe dabei vernünftig mit Gips zu arbeiten oder aber male die Vorlage für die Collage, damit diese mit farbigen Zeitungsschnipseln beklebt werden kann. Um halb 11 gibt es dann eine Pause, in der Tee oder Kaffee getrunken wird und die Friends selbstständig Sandwiches zubereiten. Jeder übernimmt eine Aufgabe wie zum Beispiel den Tisch zu decken, das Besteck zu verteilen oder aber zu spülen. Danach arbeiten die Friends wieder an ihren Werken weiter und gehen abwechselnd für 20 Minuten auf ein Laufband. Jeden Tag achte ich darauf, dass auch jeder sein Sportprogramm absolviert und protokoliere wer von welcher Uhrzeit an gelaufen ist. Um 13 Uhr gibt es dann eine Abschlussrunde, in der jeder für seine Arbeit gelobt wird und der Bus fährt uns wieder zurück ins Kfar. Zurück im Kfar geht es noch einmal zurück in die jeweiligen Häuser, wo um 14 Uhr gemeinsam zu Mittag gegessen wird. Danach gehen die meisten Friends auf ihre Zimmer und die Spätschicht löst einen um 15 Uhr ab, was für mich bedeutet, dass ich Feierabend habe.

Bei meiner Arbeit in der Kreativgruppe ist es wirklich spannend die einzelnen Persönlichkeiten zu beobachten, denn alle sind völlig unterschiedlich und gehen ihren eigenen Gewohnheiten nach. Dolev (*) zum Beispiel spricht bis auf ein paar wenige undeutliche Wörter nicht, malt unglaublich gut, er muss aber auch dazu bereit sein und liebt Süßigkeiten. Das Wichtigste aber ist sein Notizbuch, in dem er jeden Ablauf und Schritt, sei es der Gang zur Toilette, festhält. 

Alex (*) habe ich schon sehr in mein Herz geschlossen. Er ist ein großer, schmaler Kerl mit einem kleinen Schnäuzer und einer Sprechstimme, die sich immer wie ein Gesang anhört. Dabei liebt er auch noch tatsächlich das Singen und Tanzen und somit ist jeder Tag mit ihm ein Genuss. Eigentlich malt er jeden Tag dasselbe Muster mit unterschiedlichen Farben, doch finde ich, dass er wirklich Talent hat und jedes Mal ein Kunstwerk entsteht. Interessant ist, dass er sowohl englisch, als auch ein wenig deutsch versteht und ich somit versuche so viel wie möglich auf den verschiedenen Sprachen mit ihm zu sprechen. Mittlerweile antwortet er mir immer besser auf der jeweils gesprochenen Sprache und kennt mich auch schon beim Namen. Das war ein wirklich tolles Erfolgserlebnis, dass ich von diesem Friend erkannt und angenommen wurde. 

Mit Natan (*) verbringe ich die meiste Zeit, da er nicht nur in meiner Gruppe, sondern auch in meinem Haus ‚Beit Verit‘ ist. Natan ist leider sehr langsam, weswegen das Arbeiten mit ihm sehr viel Geduld erfordert. Aber beginnt er zu malen oder zu kleben, so macht er das mit Freude und man kann ab und zu sehen, wie trotz seines immer gesenkten Gesichts ein Lächeln auftaucht. Im Laufe der Zeit ist mir immer bewusster geworden wie viel Natan eigentlich zuzutrauen ist und somit habe ich schon viele Collagen, einige Kunstwerke aus Ton, eine Schale aus Gips und natürlich auch viele Bilder mit ihm gestaltet. Auch wenn der künstlerische Bereich nicht unbedingt zu meinen Stärken gehört, habe ich diese Herausforderung angenommen und bin froh darüber. Ich habe diese Gruppe schon sehr in mein Herz geschlossen und freue mich jedes Mal am meisten auf diese Zeit des Tages. Ich bin hier sehr frei in meinen Möglichkeiten und staune immer wieder darüber, wozu die Friends in der Lage sind. Da macht es umso mehr Spaß einige Male am Tag ‚kol hakavod‘ (in etwa ‚gut gemacht‘) zu sagen! 

Die Arbeit im Kfar ist oftmals anstrengend, erfordert viel Geduld und Strapazierfähigkeit. Man ist für sehr vieles verantwortlich, da man als Volontär wie ein gleichwertiger Mitarbeiter behandelt wird. Es gibt auch einige schwierige Fälle im Kfar, mit denen man lernen muss umzugehen und dabei seine Grenzen kennenlernt. Anfangs fiel es mir auch schwer mit der typischen israelischen Gelassenheit umzugehen und ich entdeckte, dass doch mehr ‚typisch deutsch‘ in mir steckt, als ich vielleicht von mir erwartet hätte. Auch die Sprachbarriere stellte sich zu Beginn als große Hürde heraus, da die Friends mehr mit einem sprechen, als ich dachte. Doch man gewöhnt sich so unglaublich schnell an alles, vor allem dann, wenn man so herzlich und liebevoll aufgenommen wurde, wie ich. Die Mitarbeiter im Kfar versuchen es einem so Recht wie möglich zu machen und fragen oft mehrere Male am Tag nach, ob alles gelingt. Unsere zuständige Sozialarbeiterin organisiert einmal im Monat ein Treffen, bei dem sowohl negative als auch positive Erlebnisse besprochen und unter den ca. 20 deutschen Volontären geteilt werden können. Was die Sprache betrifft, so war ich sehr überrascht wie schnell man die nötigsten Begriffe lernt. Nach zwei Monaten kann ich wohl noch lange kein hochphilosophisches Gespräch führen, doch kann ich nun schon auf viele Fragen der Friends antworten und komme immer mehr mit ihnen in Kontakt und das ist genau das, was ich an der Arbeit mit den Friends so faszinierend finde. Je näher man die einzelnen Persönlichkeiten kennenlernt, desto interessanter werden sie und man muss sie einfach mögen, wenn sie dich beispielsweise an die Hand nehmen und fragen, ob du ihnen eine Geschichte vorliest. 

Ich freue mich auf meine weitere Zeit hier in Israel und bin gespannt, was ich noch alles erleben darf. Ich genieße, dass ich über so viel Neues staunen kann, Dinge entdecke und lerne, von denen ich vorher nichts wusste, doch dabei lerne ich auch einiges aus der vertrauten Heimat zu schätzen. Ich bin vielen Menschen von ganzem Herzen dankbar, dass sie dazu beigetragen haben meinen Freiwilligen Friedensdienst zu ermöglichen. Ich danke allen meinen finanziellen Unterstützern, der evangelischen Kirchengemeinde Wuppertal-Langerfeld, meinen Freunden und ganz besonders meiner Familie, die bedingungslos hinter mir steht. Und ein ganz besonderer Dank geht an meine Organisation, die evangelische Kirche im Rheinland, ohne die ich gar nicht hier wäre. 

Bis zum nächsten Rundbrief,

Lehitraot, eure Laura 



(*) Namen geändert

Sonntag, 10. November 2013

30 Grad, November und FlipFlops

Es ist mal wieder an der Zeit euch auf den neusten Stand zu bringen - mein Alltag ist nicht wirklich spannend, aber dennoch gibt es zwei Dinge, von denen ich euch gerne berichten möchte. Mein erstes Seminar und mein erster Besuch! :-)

Vor ein paar wenigen Wochen machten Denise und ich uns auf den Weg in den Norden zum Kibbuz Nasholim, wo die Bildungsstätte Dialog für deutsche Volontäre in Israel ein drei tägiges Seminar veranstalteten. Insgesamt waren wir 24 Freiwillige und die eKiR-Israelis waren vollständig vertreten - schön euch alle wiedergesehen zu haben!
Montags gab es erst eine Kennenlernrunde und die üblichen Fragen - Wieso Israel? Wieso Volontär sein? - wurden gestellt und beantwortet. Wir waren eine wirklich schöne Runde mit vielen Jugendlichen aus unterschiedlichen Bereichen (Behindertenarbeit, Jugendarbeit, Kibbuzarbeit etc.) und von unterschiedlichen Orten - Norden bis Süden, alles vertreten. Es war total interessant die Geschichten und Erlebnisse der anderen Volontäre zu hören und sich oftmals selbst wiederzufinden. Später erwartete uns noch ein Gespräch mit Dina Lotati, die für das Wohlfahrtsministerium arbeitet und für die Freiwilligen in Israel zuständig ist. Sie klärte uns noch einmal über unsere Rechten und Pflichten auf. Eindeutig eine beeindruckende Persönlichkeit, die sich voll und ganz für 'ihre' Volontäre hingibt. Am Abend beschäftigten wir uns noch mit der Identität Israels anhand von verschiedenen Personen, indem wir die Lebenswege und Bezüge zum Land darstellten.
Dienstag vormittags besuchten wir eine Thora Schule und hörten einem Rabiner zu, der uns einiges über das Judentum und das Thorastudium erzählte. Weiter ging es dann nach Haifa! Eine kleine Tour durch die deutsche Kolonie und dazu wirklich interessante Hintergrundinformationen von unserem Seminarleiter füllten unseren Nachmittag. Die Falafel durfte natürlich auch nicht fehlen. Zum Abend hin gab es ein Gespräch mit einer arabisch-christlichen Frau, die uns von den Schwierigkeiten und Herausforderungen als arabische Familie in einem jüdischen Land zu leben, berichtete und uns dabei aber auch über die harmonischen Seiten des Zusammenlebens aufmerksam machte.
Mittwoch gab es dann vor der Auswertung des Seminars noch ein Gespräch mit einem ehmaligen Käptain Leutnant der Reserve Einheit, der uns seine Sicht zum Israel-Palästina Konflikt darstellte. Eine unglaublich hitzige Diskusion zwischen Volontären und Käptain Leutnant entstand, mit vielen nachvollziehbaren und widerrum unbegreifbaren Argumenten. Und wiedermal wurde mir bewusst, dass es nahe zu unmöglich ist, sich eine feste Meinung zu dem Konflikt zu bilden. Deswegen werde ich Ausführungen zu dem Thema auch nach wie vor nicht in meinem Blog veröffentlichen. Vielleicht kommt ihr mich ja mal besuchen und wir trinken einen Tee mit frischem Salbei und essen Pita mit Hummus und diskutieren den lieben langen Tag ;-)
Das Seminar war richtig interessant und informativ! Aber das Beste war eindeutig das Essen!! Buffet zum Frühstück, Mittag- und Abendessen! Das war EIN TRAUM für uns!

perfekte Lage - Kibbuz am Strand

viele Inschriften verzieren nach wie vor die Häuser der deutschen Kolonie in Haifa


ein kurzer Eindruck..
...des Frühstücksbuffets
Diese Woche durfte ich dann meinen ersten Besuch in Israel empfangen. Olli, mein Freund, verbrachte eine knappe Woche hier im Land und machte sich einen eigenen Eindruck von meiner Heimat auf Zeit. Wir verbrachten ein paar wirklich schöne Tage zusammen und ich versuchte Olli schon einiges vom Land zeigen zu können: wir erkundeten Tel Aviv und ich finde immer mehr Viertel, die mir total gefallen; standen im Mittelmeer und das im November (!); klapperten die Sehenswürdigkeiten in Jerusalem ab (bin ich nicht eine tolle Stadtführerin? :-P); shoppten im rieeesigen Azrieli Einkaufscenter; genossen viel zu gutes Essen; schauten uns das Europa League Fußballspiel Tel Aviv Maccabi - Eintracht Frankfurt an und obwohl Frankfurt leider nicht gewonnen hat, war es ein spannendes Spiel mit einer wahnsinnig lebhaften Atmosphäre im Stadion; testeten das Nachtleben in Tel Aviv zusammen mit anderen Volontären von meiner Arbeitsstelle; schlenderten durch Old Jaffa und ich bekam endlich den schönen Hafen von Jaffa zu sehen (auch wenn Olli das jetzt für Mädchenkram halten würde) und ich staune immer mehr über all die Graffitis, die Tel Aviv verzieren .
Danke, dass du hier warst, und geduldig alles mit mir abgeklappert hast, was ich dir unbedingt zeigen wollte!
Jerusalem!

im Stadion

Jaffa Port
Neve Tzedek
Bis Bald :*